Spreewaldring Teil 3


„Puschel ist wieder draußen“, sagte sie und nahm den Deckel vom Objektiv. Ich reckte den Hals und versuchte die auffällig dekorierte Maschine zu entdecken. Puschel, ein nicht ganz zutreffender Name. Das klingt irgendwie … tuntig … bestenfalls mädchenhaft. Der Fahrstil des puscheligen Piloten war aber alles andere als tuntig oder mädchenhaft. Im allerbesten SuMo-Stil streckte er in den Kurven ein Bein vor, was im Vergleich mit den anderen Fahrern etwas befremdlich wirkte. Puschel konnte sich aber auch nur auf seine Fahrkünste verlassen. Unter dem orangen Fell steckte nämlich nur ein relativ bescheidener Eintopf. Der war jedenfalls deutlich zu erkennen, allerdings auch nur im Stand. Was in diesem einzelnen Zylinder an Leistung steckte? Ich weiß es nicht, kann und will mir aber nicht vorstellen, dass es nur die serienmäßigen paarundsechzig Pferdchen waren. Wenn doch, dann aber …?
Gut, Puschel fuhr mit vorgewärmten Slicks. Das war in seiner Gruppe aber fast der Standard. Puschel fuhr nämlich in der schnellsten Gruppe. In der Gruppe, in der die doppelte Motorleistung schon die Untergrenze war. Puschel vollstreckte für gewöhnlich im Kurveneingang, nicht nur, aber eben ganz gerne. Er vollstreckte aber auch im Kurvenausgang, an den Stellen, an denen seine Opfer noch scheinbar hilflos an ihren Kisten hingen. Puschel ließ sich nicht abhängen und nicht ausbremsen. Sie konnten ihn nur auf den Geraden ein klein wenig ausbeschleunigen, aber auch nur wenige Meter, dann war er wieder da. Puschel war eine echte Heimsuchung für seine Gruppe. Gerne schnupfte er ganze Grüppchen auf. Den Hinteren am Kurveneingang, den Nächsten am Scheitelpunkt, den Rest dann am Kurvenausgang. Ich hatte das Gefühl, dass er überhaupt nicht bremste. Er nahm immer nur kurz Gas raus, um dann sofort wieder voll aufzureißen. Puschel fuhr den Jungs böse um die Ohren. Ganz böse.
Da war er zwar nicht der Einzige, aber der Schrillste. Die Vollstrecker fuhren an diesem Wochenende eben KTM. Das konnte man nicht leugnen. Nicht wenn man Augen im Kopf hatte.

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