Ducati Multistrada 1200 Enduro

 

Autor: MacDubh

Während einer Veranstaltung von Ducati und Ducati4you in der Eifel hatte ich die Gelegenheit, die „Multistrada 1200 Enduro“ einen Tag lang zu fahren. Die erste Hälfte auf der Straße, die zweite Hälfte auf einem Enduro-Gelände des MSC Dreckenach. Für die Straße waren Pirellis Scorpion Trail 2 montiert, fürs Gelände der Grobstöller Pirelli Scorpion Rally, in der neuesten Konfiguration.

Motor

Ich könnte jetzt hier wiederholen, was ich schon zur Multi mit DVT geschrieben habe. Der Motor ist einfach ein Gedicht. Ansprechverhalten, Durchzug… Klasse. Es ist immer noch ein kleines Loch zwischen 5000 und 6000 zu spüren, aber wirklich nur noch minimal. Er soll anders abgestimmt sein, mehr auf Fahrbarkeit im Gelände. Gemerkt habe ich davon nichts.

Getriebe

Im Gegenteil zu meinen vorherigen Probefahrten, bei denen das Getriebe nur mit Kraft zu schalten war, war das bei der Enduro butterweich und super zu schalten. Die Übersetzung passt eigentlich immer.

Fahrwerk

Ducati-Fahrwerk! Muß man mehr sagen? Ja…. Die Enduro hat hinten eine Zweiarmschwinge und andere Reifenmaße. Sie ist mit dem schmaleren 19″-Vorderrad extrem handlich, wahrscheinlich hilft dabei auch das schmalere Hinterrad. Um die Längsachse spürte ich bei hohen Geschwindigkeiten in langgezogenen Kurven ein leichtes verwinden, aber das sollte mit angepassten Fahrwerkseintellungen zu beheben sein. Im Gelände und somit im Enduro-Modus spricht alles fein und sauber an und sie ist deutlich weicher gefedert. Auf schlechten Straßen bügelt sie mehr weg im Vergleich zur normalen Multi.

Geometrie / Sitzposition

Hoch! Sie ist so verdammt hoch, der Lenker auch. Das macht im Stehen natürlich Sinn, setzt man sich aber von der normalen Multi direkt auf die Enduro denkt man unweigerlich an einen Apehänger. Der Breite Tank macht optisch den Rest aus, man sitzt auf einem riesen Trümmer. Breit, hoch, schwer. Aber es passt mit meinen 175cm perfekt. Die Fußrasten und Hebel sind Enduro-typisch breiter und sehr griffig, der Bremshebel lässt sich mit einem Handgriff in der Höhe verstellen, sehr schön gemacht. Aus dem Zubehörprogramm gibt es Alukoffer von Touratech. Halterung und Befestigungsmechanik machen einen sehr wertigen Eindruck, Montage und Demontage sind mit einem Klick erledigt. Aber damit wird die Multi noch breiter, nichts fürs Staufahren.

Bremsen

Hammerteile, vorne zwei Scheiben mit Brembo Vierkolbenzangen. Brembotypisch mit fantastischem Ansprech- und Druckpunkt, Spurstabil auch bei brutalem Zusammenbremsen der Fuhre. Das ABS lässt sich im Enduromodus abschalten.

Fazit

Klasse Moped, rundherum gelungen. Das hohe Gewicht merkt man nicht mehr, sobald der Trümmer in Bewegung ist. Was mit den heutigen Reiseenduros dieser großen Klasse im Gelände möglich ist, ist schon erstaunlich.  Das Teil lässt sich sportlich auf allen Straßen bewegen, ist super handlich im leichten Gelände, auch eine anstehende Auffahrt, steil und matschig, erledigt sie Problemlos. Mitten durch den Wald und ein paar Feldwege, dafür ist sie gebaut. Für gröbstes Gelände gibt es leichtere Mopeds, aber als Reiseenduro zum Schottern in den Alpen ist die Multi 1200 Enduro hervorragend geeignet. Das Angebotene Zubehör macht dem Preis entsprechend einen sehr wertigen Eindruck, stabil und sauber gearbeitet. Die Schweissnähte des Kofferträgers sehen blitzsauber aus, eine Augenweide. Die Verarbeitung der Ducati ist wie gewohnt auf sehr hohem Niveau (Kabelverlegung, Leitungen etcpp).
Einziger Wermutstropfen: Diese Plastik-Handschützer! Man kauft ein 20000€-Moped, und die Handschützer brechen bei der ersten Bodenberührung! An diesem Plastik sind auch die Behälter für Bremse und Kupplung befestigt. Das kann im Gelände mal in Verlust derselbigen enden! Das ist nicht nur Ärgerlich, das ist eigentlich ein Unding. Die Dinger gehören an eine separate Halterung aus Metall, und zwar direkt an den Lenker. Die Blinker sind wie seit der ersten 12er Multi in diesem Handschutz, auch ein potentieller Verlust….