Hergebrannt von einer Q

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„Hergebrannt von einer „Q“

Lorch/Rhein 17.08.00 – 17:00 Uhr Ortszeit:

Aufgrund defekter SPS und geilem Moppedwetter hält es den Verfasser dieser Zeilen nicht auf dem heimeligen Sofa. Streetsurfen mit 600er Monster ist immer noch besser als gar nicht fahren! Kurz entschlossen wird sich in die Kampfmontur gezwängt, das Visier vom letzten Mückendreck gereinigt!

Geplant sind ein paar „gemütliche“ Runden über die Hausstrecke – dem legendären „Tal“. An der Tanke wird kurz der Luftdruck überprüft, und ein bisschen Drückelchen abgelassen, man weiss ja nie was so alles passiert. Nachdem der Tank gefüllt ist, kann es losgehen. Die ersten Kehren gehen gut, die Monster prahlt zwar nicht mit übermäßig Leistung, aber man will ja eigentlich ein bisschen „Blumenpflücken“

Mainz 17.08.00 16:30 Uhr Ortszeit

Ein dem Verfasser bis dato unbekannter Q-Treiber macht sich ohne böse Absichten bereit, von Mainz aus, seine abendliche Runde „Mopped“ zu drehen. Er plant eine flüssig zu fahrende Strecke, die ihn über Wiesbaden, Bad Schwalbach in das Wispertal führen wird. Noch ahnt niemand die im „Tal“ lauernde Tragödie.

Lorch/Rhein, 17.08.00 – 17:30 Ortszeit:

Der Verfasser dieser Zeilen hat sich locker eingewedelt, und wie zur Selbstbestätigung zieht man ein paar Metallstriche auf den Asphalt, hie und da streift das Knie sanft über das Teergemisch. Langsam und stetig wird die Performance erhöht.

Mainz/Bad Schwalbach 17.08.00 17:30 Ortszeit:

Der unbekannte Q-Treiber verläßt gutgelaunt die Bundesstraße Richtung Bad Schwalbach, setzt den Blinker links, und befährt beschwingt die Querspange die ihn zum hinteren Ende des „Tales“ führen wird. Kurzfristig plant er, das „Tal“ nicht in Richtung Lorch zu befahren, sondern sich den Spaß zu gönnen, der Wisper auf verwinkelter Straße in Richtung Bad Schwalbach zu folgen.

Lorch/Rhein, 17.08.00 – 17:45 Uhr Orstzeit:

Der Verfasser fliegt auf der letzten Rille durch die rechts-links Kombination, um an der Abfahrt
„Dörscheid“ die Monster zu drehen und den Heimweg einzuschlagen. Die Monster reißt mit Auspuff und Rasten den Asphalt auf, die Knieschleifer werden malträtiert – kurz: Man bewegt sich auf der allerletzten Rille!

Mainz/Lorch, 17.08.00 – 17:43 Orstzeit:

Der Kuhtreiber erreicht die Abfahrt „Dörscheid“ und sieht einen „Gestörten“ aus der Kurvenkombination geflogen kommen, und den Blinker setzen.

Mainz/Lorch, 17.08.00 – 17:48 Orstzeit:

Durch leichtes Kopfnicken begrüßen sich die beiden Motorradfahrer. Ein leichtes Blitzen in den Augen des Q-Treibers, läßt den Verfasser zu einem, für ihn verhängnisvollen Schluß kommen: „Der will´s wissen!“ Innerhalb weniger Sekundenbruchteilen wird abgewogen: 600ccm gegen 1100ccm, Monsterfahrwerk gegen Telelever – PLUS geniale Ortskenntnisse !!! DAS könnte klappen. Erst jetzt sieht der Verfasser, daß der Q-Treiber nicht unbedingt zur Gilde der Warmduscher zu zählen ist – angeschliffene Pads senden ein erstes Warnsignal aus. Diese werden tunlichst mißachtet, und sich abwartend hinter dem Q-Treiber eingereiht. Sicherlich, die eingeschlagene Richtung ist arges Winkelwerk, aber eine BMW ? PAH!!

Lorch/Mainz 17.08.00 – 17:50 Ortszeit:

Um es gleich vorwegzunehmen: Was jetzt folgt ist eine Trainerstunde für den Verfasser dieser Zeilen. Die ersten Meter werden leicht wedelnd unter die Räder genommen.
Eine langgezogene Links bietet sich monstermäßig für den finalen „Abschuß“ an. Also kurz den Abstand etwas vergrößert, Anlauf nehmen, und (geplant) mit vollem Speed dem Q-Treiber außen den Garaus gemacht!
Doch was ist das?? Die Q samt Treiber scheint Flügel zu bekommen, und was noch viel schlimmer ist, der Fahrer verlagert sein Gewicht leicht auf die kurveninnere Raste, der ***** bewegt sich ebenfalls in Richtung Kurve.
Sollte der etwa ?!?! NIEMALS das kann nicht sein!!

Bedingt durch den Anlauf gelingt es die Monster am Hinterrad der Q zu halten. Der Q-Treiber beherrscht sein Handwerk. Fast zeitgleich mit den Zylindern schleifen seine Kniepads über den Asphalt und funken die Schräglage in dessen Hirn. Ein perfektes Zusammenspiel!

So langsam ahnt der Verfasser, daß es hier was auf die Locken gibt – hier ist nicht einer der Klapphelm bewährten Opas am Werk – hier sitzt ein Könner am beheizten Gasgriff – ******** – wo doch das Fernsehprogramm eigentlich gar nicht so schlecht gewesen wäre.

Die Perforation im Lederkombi stellt als erstes den Dienst ein, der sich bildende Schweißfilm auf der Stirn, läßt den Vollvisierhelm ins Gesicht rutschen. Die Augen sind weit aufgerissen und der Mund formt unhörbare Worte!
Der Q-Treiber kennt jedoch kein Mitleid. Mit traumwandlerischer Sicherheit werden die engen Kehren
genommen, während der Verfasser die Monster melken muß. Jeder Zentimeter Gaszug werden genutzt, um das letzte aus dem Motor zu holen, das HangOff wird extremer, um ein frühzeitiges Aufsetzen der Teile zu verhindern.
ALL DAS NUTZT nix – der Abstand zur Q wird größer und größer. Die einzige Hoffnung, daß ein
spazierenfahrendes Auto den Vortrieb der Q bremsen könnte, erweist sich als Trugschluß. Kein Auto, kein Mitleid – die Demontage hat begonnen.

Erste Tränen der Enttäuschung in den Augen des Verfassers trüben den klaren Blick auf die Straße. In den Mundwinkeln bilden sich die ersten Schaumflocken, und die Augen zeigen eine deutliche Rötung. Süßlicher Geschmack ist der Beweis dafür, daß der Verfasser sich, Gift und Galle spuckend, die Unterlippe blutig gebissen hat.

Der Q-Treiber beherrscht auch das Spiel mit dem Ego perfekt. Was bisher ein fairer Kampf gewesen war, wird nun zum persönlichen Einzelschicksal zelebriert. Rote Rücklichter verkünden, daß der Q-Treiber seine Bremse betätigt, um den Verfasser auflaufen zu lassen. Am Helm ist zu erkennen, daß der Fahrer kurz in den Rückspiegel schaut. Ohne jede weitere Regung hebt er kurz die rechte Hand, winkt gönnerhaft, und verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Winkelwerk !!

Mainz, 17.08.00 – 18:30 Ortszeit:

Der Kuhtreiber ist wieder zu Hause. Auf die Frage seiner Frau, ob er sich nach der Fahrt duschen möchte, antwortet er: „Nö laß mal Liebling, ich bin ja nur spazieren gefahren – bin nicht verschwitzt!“

Lorch/Rhein 17.08.00 irgendwo im Tal 18:10 Ortszeit:

Der Verfasser dieser Zeilen steht noch immer fassungslos neben seiner Monster. Die Reifen sind blau angelaufen, an den Flanken haben sich Knubbel gebildet. Nachdem drei Zigaretten in den zittrigen Händen keinen Halt gefunden haben, kann die vierte Zigarette endlich halbwegs normal zwischen die Lippen geführt werden. Verstohlen wird kontrolliert, ob auch niemand den ganzen Vorgang beobachtet hat.

Lorch/Rhein 17.08.00 irgendwo im Tal 19:30 Ortszeit:

Die mittlerweile unruhig gewordene Ehefrau des Verfassers hat sich mit dem Auto auf die Suche gemacht. Sie findet ihren Mann, auf der Leitplanke sitzend, mit stierem, leeren Blick die Monster anstarrend, völlig depressiv vor. Weiße Ränder von den Augen in Richtung Backe verlaufend, sprechen eine deutliche Sprache – der Mann hat geweint. Auf der Erde, zwischen den Füßen liegen eine zerknüllte Zigarettenschachtel und 10 halbfertig gerauchte Kippen. Das Haar hängt strähnig vom Kopf herab. Selbst die zärtlichsten Worte finden keine Antwort.

Lorch/Rhein 17.08.00 23:50 Ortszeit:

Die Monster wurde mit dem Anhänger von Freunden in die heimische Garage verfrachtet. Der Verfasser dieser Zeilen ist immer noch nicht ansprechbar. Die Ehefrau möchte jedoch den nächsten Tag abwarten, bevor ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird.

Lorch/Rhein 18.08.00 irgendwo im Tal 05:30 Ortszeit:

Leichte Nebelschwaden künden vom herannahenden Tag. Die Luft riecht würzig, die Amsel singt ihr morgendliches Lied. Irgendwo an einer Leitplanke bläst der Wisperwind eine zerknüllte Zigarettenschachtel in den Straßengraben – und verteilt 10 halbgerauchte Kippen über die gesamte Breite der Straße.“

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