AEW 2009 – Wie alles begann

by MacDubh

Tja, da war ich nun, in Ösiland.

Vor dem Bikerhotel, und mal wieder viel zu früh, wie immer. Wenn ich irgendwo hinfahre habe ich soviel Reserve, daß ich immer zu früh da bin.

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Aber viel wichtiger war die Frage: Wie kam ich hier hin?

Da war dieser Artikel in einem Internetforum. Einem BMW-Forum. Eine schöne Geschichte von Kuhjote. Sie handelt von „einer Woche im Bikerhotel“, mit allen Zutaten die man sich von so einer Geschichte erwartet: Moppeds,Herbrennen, Sex und Party. Dort werden wirklich alle Klischees bedient.
Und das von BMW-Fahrern.

Eigentlich habe ich immer ein wenig verachtend auf diese BMW-Fahrer geschaut, und dabei an den Kommentar von Günther, dem Treckerfahrer gedacht:

Die würden nun jedes Wochenende am liebsten zum Nordkap bügeln und sich ’nen neuen Aufkleber an die Packtaschen hauen. Weil das aber ihre Alte nicht mitmacht, tun sie so, als ob bei ihnen vor der Garage direkt der Polarkreis anfängt und bauen sich erst mal ne Griffheizung an die 1000er ran.

Nur die GS, die gefiel mir seit Gaston Rahier´s ritt nach Dakar schon immer. Aber sie war halt unerschwinglich.

Und ausserdem eine BMW. Das ging ja gar nicht! Wenn einer 30 Jahre lang lästert und nur Italiener wie Ducati und Gilera fährt, der kann unmöglich

1. eine kaufen, und
2. auch noch dazu stehen.

Aber irgendwann war es soweit. Nach einem Stellenwechsel nach Köln in die Innenstadt und völlig indiskutabler ÖVM-Anbindung mußte ein Mopped für jeden Tag her.
Kardan, Leistung satt, und natürlich eine Enduro. Mit Kettenantrieb kamen gleich mehrere in Frage, mit Kardan eigentlich nur eine: GS.

Im Januar war es dann soweit, ich schaffte mir eine R 1200 GS an, meine erste BMW.

Und jahrelang lästerte ich, daß, wenn ich so alt werde und BMW fahre, dann auch einen Klapphelm tragen müsste. Ich war so Konsequent und kaufte auch noch einen Klapphelm.

Ok, das war eher Zufall. Ein neuer Helm war fällig, schon seit Jahren. Und dieser passte eben als einziger auf Anhieb.

Und was macht man wenn man ein neues Mopped hat? Genau, man informiert sich über das Modell und die Eigenheiten im Internet.

Irgendwann landete ich im GS-Forum. Und stolperte dort über „eine Woche Bikerhotel“.

Toll geschrieben, schöner, trockener Humor, und überhaupt war die Geschichte nach meinem Geschmack. Herbrenngeschichten vom Feinsten.

Dabei mußte ich mir dann auch meine mittlerweile entstandene „Freude am Fahren“ mit dem Trümmer „GS“ eingestehen. Das Dingen kann man um die Ecke werfen, das ist einfach unglaublich.

Als sich die Geschichte im Forum langsam dem Ende näherte, bot der Wirt des besagten Hotels an diese, natürlich völlig frei erfundene Geschichte, Wirklichkeit werden zu lassen.
Das Angebot war sehr verlockend. 1 Woche Hotel mit Halbpension, geführten Touren und allen Mautgebühren inklusive.

Nach kurzer Absprache mit der „Besten von allen“ war das Zimmer schnell gebucht. Nur nicht lange darüber nachdenken. Einfach handeln und geniessen.

Ja, und da stand ich nun. Sonntagmorgen, 10 Uhr vor dem Bikerhotel, geiles Wetter, Sonne und trockene Straßen.

Was erwartet mich nun?
Nur Heizer?
Echte Könner?
Fahrer, die mir meine Grenzen aufzeigen?

Wenn das so wie in der Geschichte abgeht, lerne ich in einer Woche Alpen Demut kennen….

Nicht, daß ich zu Hause im Bergischen Land auch schnellere Leute getroffen hätte. Das schon.Einmal war wirklich einer schneller. Mit einer RSV Mille, der konnte wirklich fahren. Und das sah sehr geschmeidig und locker aus. So locker, daß ich mit der Ducati nicht mitkam. Ok, ich hatte alte Michelin drauf und denke mir heute noch: Wie das wohl mit den Bridgestone BT56 ausgegangen wäre?

Aber hier in den Alpen? Das war mal ein anderes Geläuf. Hier gelten ganz eigene Gesetze. Und ich war mit der GS da. An das Gewicht mußte ich mich erst gewöhnen, so lange hatte ich sie ja noch nicht.

Aber egal, zurück zum Thema.

Elke, die Wirtin, empfing mich im Hotel, einchecken so früh war kein Problem. Nachdem alles im Zimmer verstaut war und die Q abgeladen, ging es auf eine kurze „Warm-roll-Runde“.
Lechtal, Arlbergpass, Landeck, Imst, über das Hahntennjoch zurück zum Hotel.

Der Vorsatz war ganz klar definiert: Langsam einrollen, kein heizen oder herbrennen, die Reifen und der Rest des Materials müssen ja noch eine Woche durchhalten.

Und wie es mit guten Vorsätzen nunmal so ist: Ab Warth war das irgendwie weg. Nicht real, nie dagewesen, völlig vergessen. Was für Straßen, machen die Spaß?

Von Warth bis Stubenbach mußte die Q mal zeigen was sie kann. Wie immer in solchen Situationen: Ich war völlig unschuldig! Echt, Ehrlich….

Das war wegen der anderen, nicht meine Schuld. Beim Vorstart (nur noch Helm anziehen und los) am Hotel fuhren 4 Ducatis vorbei. Geiler Sound, mal sehen ob man die noch einholen kann. In Prenten war ich hinter ihnen und genoss den Sound. Bis Warth war ich an dreien vorbei, schade, keine Gegenwehr. Kurz hinter Warth den letzten überholt, das war schon schwerer.
Aber Überholen alleine macht kein Spaß! Ein wenig demotivieren mußte schon sein. Das kann man doch nicht ungestraft lassen, wenn die so tolles Material nicht nutzen. In Stubenbach hatten sie es gelernt: Man legt sich nicht mit einer GS in ihrem ureigenem Terrain an. Jedenfalls waren sie aus den Rückspiegeln völlig verschwunden.

Das Hahntennjoch ist eine fantastische Strecke. Man muss dabei allerdings auf ein paar tückische Stellen achten. Besonders eine: man kommt aus einer Spitzkehre und fährt immer noch beschleunigend eine leichte Rechtskurve. Völlig Überraschend kommt dann eine weitere Spitzkehre. Wenn man sie sieht, hat man den Bremspunkt eigentlich schon verpasst.

Da ich die Strecken alle nicht kannte, fuhr ich natürlich auf Sicht. Und verpasste natürlich den Bremspunkt. Puh, das war knapp…

Der Rest bis zur Passhöhe bietet wirklich alles was eine Passstraße bieten kann: Felsenwände, Abgründe, lange Kurven, enge Kurven, guter und schlechter Belag. Ergo eine Fantastische Strecke. Leider keine Gegner. Aber die Q war jetzt warm und man hatte den Eindruck dass sie sich wie zu Hause fühlte.

Also ist sie eigentlich doch eine „Alpensau“… die gute Altherren-Kuh?

Folglich auf dem täglichen Weg zur Arbeit völlig fehl am Platz?

Zurück im Hotel setzte ich mich nach draußen und bestellte ein Kaltgetränk zum entspannen. Ein weiterer Gast, der sich mir als Oliver vorstellte, setzte sich zu mir und wir kamen ins Plaudern.

Kurze Zeit später kam ein weiterer Gast und fragte direkt, ob wir denn auch zur AEW (Alpen Express Woche) da wären. Oliver nicht, der wollte partout alleine fahren, ich ja.

Frank gesellte sich zu uns und schon war der Abend gerettet und auch sehr kurzweilig schnell zu Ende. Leider erhielten wir den Hinweis auf das Fehlen von Kuhjote. Er musste wohl arbeiten und käme erst im Laufe des nächsten Tages an.

Schade. Na, das konnte ja heiter werden.Frank war wirklich eine Kanone, ein Klassenclown, schlagfertig und witzig. Immer einen passenden Spruch auf Lager.

Während des Frühstücks stellte sich unser Tourguide für die nächsten Tage vor. Siggi – eine Kopie von Tommy Lee Jones in „Explosiv“. Abgedreht, witzig und tierisch von sich selbst überzeugt.

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Treffen 8:30 Uhr draußen vor der Tür zur Einweisung. Ein paar Regeln und Empfehlungen gab es also doch. Aber das war ok, in der Gruppe geht das halt nicht anders. Alles nichts Ungewöhnliches. Bis auf eines: Freies Fahren.

Ha, mein Ding. Der Guide fährt mit Warnblinklicht rechts ran, kreist mit dem Arm und ab geht die Post. Ansonsten herrscht Überholverbot.

Beim freien Fahren nicht, da bleibt nur der Stärkere übrig.

 

Aber man kannte sich nicht, es war überhaupt nicht Einzuschätzen wer hier wie fuhr.
Und überhaupt: Was hatte sich hier eingefunden? Nur Gaskranke GS-Fahrer, die mit ihrem Material spielerisch alles dahergekommene niederbügeln? Hatte ich überhaupt eine Chance hier in Sichtnähe zu bleiben?

Der Ruf der Guides eilte ihnen voraus: Die waren hier täglich unterwegs, auf ihren Hausstrecken kannten sie jedes Schlagloch mit Vornamen und Geburtsdatum. Angelegt hatten sich schon mehrere mit denen, auch mit weitaus besserem Material. Aber die Moppeds sind alle über den Transportservice zurück zum Hotel gekommen. Oder die Fahrer waren völlig demotiviert und lebten mit dem Spott der anderen.

So wurde es erzählt.

Und an solche Geschichten ist meistens was dran, hier war also Vorsicht geboten.

Zu unserer aller Überraschung war Kuhjote dann doch noch nachts angereist und konnte so die erste Tour mitfahren. Die Gruppe blieb in übersichtlichem Rahmen. Es gab nur 3 Anmeldungen zur AEW, inkl. Kuhjote.

Ein weiterer Teilnehmer des Forums wohnte um die Ecke und reiste mit seiner Ducati morgens an um mitzufahren. Einige Hotelgäste fanden die Route so Interessant, dass sie sich uns anschlossen.

Geplant war eine kleine Tour über das Hahntennjoch, Imst, Piller Höhe, Kaunertal und zurück.

Die Reihenfolge wurde festgelegt: Siggi (1200 ADV), der Tourguide, vorneweg, dahinter Frank (1100 GS), ein Paar auf einer Kawa (die sich aber an der Piller Höhe ausklinken wollten), dann ich (rote 1200GS), Kuhjote (gelbe 1200GS) und Nero mit seiner Ducati.

Nach dem Abzweig aufs Hahntennjoch fuhr Siggi wie besprochen Rechts ran und wir gaben ordentlich Gas.

Nach der ersten wunderschönen Linkskurve lag ich vorne, hinter mir die „Gelbe“. Während ich die folgende Spitzkehre rechts durchfuhr konnte ich im Augenwinkel die „Gelbe“ sehen.

Das wird nicht einfach – schoss es mir durch den Kopf.

Das wollte ich eigentlich nicht. In meiner Vorstellung fuhr ich erstmal hinter allen her um mir die Stärken der einzelnen Fahrer anzusehen und – für den Fall im käme nicht mit – unauffällig zurückzubleiben. Bloß nicht blamieren.

Tja, soweit der Plan.

Jetzt war ich vorne, alle Augen auf mich gerichtet. Natürlich hätte ich es genauso wie Frank machen können, rechts ran und alle vorbeiwinken.

Aber da schlagen zwei Herzen in meiner Brust:
Das Eine würde keinen anderen freiwillig vorbei lassen. Außerdem bestand die Gefahr, dass eben doch alle Erzählungen übertrieben waren und ich dann unbekannte Schnarchnasen vor mir habe, die nie jemanden freiwillig vorbei lassen.

Das andere Herz will immer, aber auch wirklich immer das Maximum. Hier geht es nicht darum der Schnellste zu sein oder irgendeinen imaginären Preis zu gewinnen. Nein, ich fahre auch alleine schnell, ich brauche keine Gegner. Die machen die ganze Sache zwar Interessanter, der Adrenalinpegel geht noch einen Tick höher, aber brauchen? Nein, brauchen tu ich die nicht.

So, jetzt hatte ich alles, eine wilde Horde hinter mir, den Willen das Maximum zu geben und die unbändige und mit Worten nicht zu erklärende Lust diesen Pass hochzuballern.

Kuhjote blieb dran. Ich merkte recht schnell, dass sonst niemand folgte, aber er blieb dran.

Die Strecke ist zu Beginn sehr flüssig, schön abwechselnd lange und engere Kurven. Nach dem ersten Anstieg folgen mehrere Rechts-Links-Kombinationen. Alles recht zügig durchzuwedeln. Der erste wirkliche Bremspunkt kommt bei einer Felsendurchfahrt.

Das geht dann schon eng her, ist sehr unübersichtlich aber geil zu fahren. Kurz anbremsend links reinstechen, die Q nach rechts umwerfen und unter kräftigem zug am Gas links umwerfend aus dem Durchgang heraus auf eine Fast-Gerade bis zur ersten Gallerie.

Auf diesem Teilstück sah ich den Scheinwerfer der „Gelben“ immer kleiner werden. Die angezeigte Geschwindigkeit der Warntafel war zu vernachlässigen, sollte mir aber in den folgenden Tagen einen gehörigen Schrecken einjagen. Aber dazu später.

Wir hatten einen sehr unterschiedlichen Fahrstil: Kuhjote bremst wie ein Berserker, er wirft regelrecht den Anker auf der letzten Rille und nutzt den BKV reichlich aus. Die reine Kurvengeschwindigkeit ist nicht so berauschend, dafür hängt er sehr früh wieder am Gas und beschleunigt was der Boxer hergibt.

Mein Motto ist zwar auch: Wer später bremst ist länger schnell. Aber insgesamt fahre ich höhere Kurvengeschwindigkeiten und mehr Schräglage.

Und das war auch wirklich der einzige Unterschied bei uns. Aber dadurch gewann ich in fast jeder Kurve ein paar Meter. In Bschlabs war er wieder dran, da ich sehr gemütlich Richtung Ortseingang fuhr.

Wie immer in Ortschaften hielten wir uns auch hier an die vorgeschriebene Geschwindigkeit.

Danach kam wieder ein sehr schönes Geschlängel den Berg entlang. Beim Abbiegen nach Imst wartete ich kurz auf Kuhjote und wir fuhren gemeinsam die Serpentinen nach Pfafflar hoch. Auch hier galt es wieder die Geschwindigkeit von 30 km/h einzuhalten.

Die dann folgenden paar Kurven bis zur Passhöhe waren flüssig und zügig durchgefahren.

Einzig die EINE Kurve nach den 180°-Kehren, die eine Rechtskurve, die sich so heimtückisch hinter einer anderen Rechtskurve versteckt, diese war schon was besonderes.

Die musste ich mit merken für zukünftige Aufstiege hier hoch.

Doch auch dazu später mehr.

Oben angekommen stand ich schon ein paar Sekunden als Kuhjote kam. Er zündete sich direkt eine Zigarette an. Gelohnt hat sich das nicht, denn schon kam Siggi und wedelte mit den Armen zum Zeichen das es weiter ginge.

 

Gesittet und gemütlich ging es nach Imst, dann zur Piller Höhe, die erste Pause mit sensationeller Aussicht in das Inn-Tal.

 

Vor der kurzen Abfahrt von Piller ins Kaunertal wurde noch schnell das weitere Vorgehen vereinbart: während Siggi die Maut für alle bezahlt, gibt es freies Fahren bis zum Ende des Tales.

Und explizit der Hinweis dass das Ende sich nicht an der Staumauer befindet, sondern noch mal einige Kilometer hinter dem Stausee weitergeht.

Was für eine Strecke. Die Ducati vor uns her treibend ging es hinter der Mautstelle direkt los. Das erste Teilstück besteht aus langezogenen Kurven die mit einer gesunden Grundgeschwindigkeit gefahren werden wollen.

Hier fiel mir oben erwähnter Fahrstilunterschied zwischen Kuhjote und mir wieder auf. In den Kurven fuhr ich ihm fast hinten drauf.

Nachdem ich vorbei war konnte ich die Ducati jagen. Diese zu überholen war bei einem Leistungsvorteil von ca. 30 PS nicht wirklich einfach. Aber machbar. Wie gesagt, es waren langgezogene Kurven.

Mit ein bisschen Herz lässt man die Q in die Kurven rein fliegen ohne viel abzubremsen, maximale Schräglage und beherzt am Gas bleiben. Vor einer solchen Kurve konnte ich durchschlüpfen.

Weil Nero bremste…. Und wer bremst verliert.

Mitbekommen habe ich den Überholvorgang von Kuhjote nicht, aber irgendwann ging es für uns beide im Formationsflug bis zum Stausee hinauf. Die letzten Serpentinen bis zur Staumauer brannten wir regelrecht hoch.

Die Ducati war schnell, wirklich sehr schnell – außer Sichtweite.

Dort an der Mauer machte ich eine kurze Fotopause. Kuhjote stand neben mir und grinste nur. Für ihn war das alles so relaxed und spassig wie für mich auch.

Nur unser Ducatisti fand das weniger lustig. Ich verstand irgendwas von „Das könnt ihr nicht machen“, „so kann man hier nicht fahren“ oder „bleibt mal hinter mir, ich zeige euch wie man hier fährt“.

Ich kann mich aber auch verhört haben… ständig dieser extreme Höhenunterschied.

Da sind die Ohren permanent zu.

Kuhjotes Axelzucken und eine unverständliche Miene meinerseits später fuhren wir schnell weiter, bevor wir wieder hinter die Ducati gerieten.

Die Fahrt am See vorbei war zügig, aber alles in erträglichem Maß. Die Straße ist eng und windet sich bis zu den „finalen“ Serpentinen.

Zwei Engländer bekamen nicht wirklich mit wie wir sie dort überholten, die dachten wahrscheinlich an schlechtes Wetter, als es zweimal kurz bollerte und Rot und Gelb aufleuchtete.

Die Einfahrt in den letzten Anstieg ist breit, sehr übersichtlich und lädt förmlich ein die Sache mal ein wenig zügiger angehen zu lassen.

Endlich Schluß mit der Kaffeefahrt. Einzig der sehr glatte Straßenbelag auf dem oberen Teilstück bremste unseren Vortrieb ein wenig. Das war wirklich ein Erlebnis: es drückte die Q immer über beide Räder rutschend zum Kurvenäusseren. Da musste man ein wenig langsamer machen.

Der Formationsflug setzte sich bis zum Ziel fort. Unsere Ducati sahen wir erst am Parkplatz wieder.

Nero beschwerte sich umgehend beim Guide, dass man uns Einhalt gebieten müsse, so ginge das nun wirklich nicht. Und er würde auch nicht weiter mit uns fahren…

Zum Glück hat er sich beruhigt und fuhr mit uns den Freitag darauf eine fantastische Runde, diesesmal als Guide vor uns.

Die Rückfahrt aus dem Kaunertal gestaltete sich recht abwechslungsreich. Es war wieder freies Fahren angesagt, Treffpunkt Mautstation.

Kuhjote und ich fuhren schon mal los um nicht wieder für Aufsehen zu sorgen und so den tadelnden Blicken zu entgehen.

Kurz vor dem Stausee machte ich einen kurzen Fotostop und konnte bei der Gelegenheit alle Mitfahrer mit der Kamera erwischen.

Nachdem ich aufgeschlossen hatte, winkte mich unser Guide, der bei freiem Fahren immer als Lumpensammler hinterher fuhr, an sich vorbei. Und plötzlich fuhr ich hinter Nero her, der wie wild gestikulierte um mir damit irgendetwas mitzuteilen.

Nur, ich verstand es nicht. Er zeigte immer auf sein Hinterrad, und ich vermutete einen Schaden an seiner Ducati, da er auch sehr langsam unterwegs war.

Doch plötzlich schien er den Gasgriff doch noch gefunden zu haben und er überholte ein Wohnmobil.

Auch diese Aktion war mir völlig unverständlich. Es war dermaßen knapp, und er beschwerte sich auch noch bei dem Fahrer dass er ihm nicht mehr Platz gelassen hat.

An der Mautstation angekommen fragte ich ihn was denn los sei. Die Antwort war sehr verblüffend: Er zeigte nicht auf den Reifen, sondern auf die Mittellinie. Die darf man in Ösiland nicht ohne Grund überqueren.

Aha.

Aber ich hatte doch einen Grund. The shortest way is a straight line, but the funniest way…..oder so… Wie auch immer.

In Imst wurde kurz getankt und es ging wieder zum Hahntennjoch. Immer auf die Regeln achtend fuhren wir bis zur Freigabe durch Siggi.

Dieses Mal hatte Nero den Start nicht verschlafen und wollte uns scheinbar mal zeigen was die Ducati so kann. In dem unteren Bereich war er mit seinem weit über 130 PS-Boliden ganz klar im Vorteil.

Kuhjote und ich gaben alles was der Boxer hergab, aber da war nicht viel zu machen. In den Kurven kamen wir immer wieder ran, aber gegen schiere Leistung ist auch mit höchstem physischem sowie psychischem Einsatz nichts zu machen.

Wir ließen ihn ziehen und fuhren unser, wie schon den ganzen Tag praktizierten, relaxtem Tempo bis ins Lechtal.

Nero holten wir bei diesem gemütlichen rüberwedeln immer wieder ein. Auch bei diesen Gelegenheiten kam er nicht umhin uns mit wilden Gesten alles Mögliche anzuzeigen.

Nur verständlich waren diese Gesten nicht.

Oder wir wollten sie nicht verstehen.

Aber das weiß ich nicht mehr so genau….

Im Lechtal angekommen bogen wir Rechts ab in Richtung Namlostal. Wir wollten bis Bichlbach fahren und uns dort von Nero verabschieden.

Nach einer kurzen Kaffeepause in Stanzach ging es in zügigem Tempo hinter dem Guide bis Bichlbach.

Und wenn mir Frank noch soviel erzählt er wäre nicht so schnell, es stimmt nicht!

Wie locker er da hinter Siggi herfuhr war schon beachtlich. Von wegen Angststreifen.

Das ging dermaßen zügig durch das Tal, daß ich mich als letzter richtig strecken mußte um überhaupt dran zu bleiben.

In Bichlbach verabschiedeten wir uns von Nero. Die Rückfahrt war wieder frei. Mit Kuhjote im Schlepptau fuhr ich durch das Tal zurück nach Stanzach, Treffpunkt war der Parkplatz des Cafes. Was für eine Strecke. Genialer Belag, soviel Schräglage wie dort erreichte man nur schwer an anderer Stelle.

Die Q dort durchzuwedeln machte soviel Spaß. Einzig die fußrasten begrenzten den Elan ein wenig.

Was mich dabei am meisten erstaunte war die Leichtigkeit mit der sich die Q auf die Rasten setzen lässt. Der Tourance gab was er konnte, rutschte nicht und das Mopped fühlte sich sichtlich wohl. In Stanzach warteten wir auf Siggi und Frank, und auf direktem Weg ging es ins Hotel.

Die Kaltgetränke riefen schon nach uns!

Für die am nächsten Tag geplante Tour wollten sich weitere Hotelgäste anschliessen.

Berti mit seiner R1200RS, seine Frau mit einer R1200R, Gabi und Thomas mit ihrer K1200S. Naja, dachte ich mir, mit einer Frau dabei, das wird eine gemütliche Tour. Die K ist auch nicht wirklich für dieses Geläuf gebaut….

Berti fragte dann auch recht laut bei Siggi nach was wir denn für Moppeds führen.

Der nun folgende Satz war mit irgendwie ein Dorn im Auge:

„GSsen? sind des die, die man immer im Rückspiegel sieht?“

Kollege, dachte ich mir, das wollen wir aber erstmal sehen. Wenn ja, Hut ab, dann darfst du auch lästern!

Die Vier gesellten sich zu uns und es wurde eine angenehme Runde die etwas länger zusammen saß.

Geplant war eine kleine Rundreise: Hahntennjoch, alte Brenner-Straße, Jaufenpass, Timmelsjoch, Ötztal, Hahntennjoch und zurück ins Hotel.

Am nächsten morgen, gleiche Stelle, gleiche Welle, oder so ähnlich. Einfahrt Hahntennjoch, Siggi gab frei und wir zogen los.

Ich war nach der ersten Kurve wieder vorne, Berti direkt hinter mir. Zum Glück kannte ich ja das Hahntennjoch jetzt ein wenig, so konnte ich mal probieren was die Kuh so hergibt. Nur soviel: es war genug… jedenfalls sah ich Berti erst nach dem kurzen Geschlängel am Berg entlang in der ersten Ortschaft wieder.

Vorher kam noch die bereits erwähnte Geschwindigkeitsanzeige. Ok, manchmal übertreibe ich es ja wenn ich im Infight mit einem anderen oder auch mit mir selbst bin. Aber das hier war mal wirklich zuviel des Guten! Als dort zu lesen stand: „Sie fahren …. km/h“ warf ich sofort den Anker! Was zuviel ist, soll auch zuviel bleiben! Das kann mal böse ins Auge gehen wenn die Rennleitung in der Nähe ist.

Jedenfalls war Berti dadurch wieder dran. Und durch die Ortschaft. Da kannte er keine Gnade und ballerte ohne zu bremsen bis er hinter mir war. Da ich mich, wie breits erwähnt, in Ortschaften eisern an die Beschränkungen halte, war er umgehend wieder hinter mir.

Bis in die Serpentinen nach dem Abzweig war er aber wieder ausser Sichtweite. Jetzt sollte ich dazu sagen, daß ich wirklich alles gab. Mehr ging mit der Q wirklich nicht. Aber den Spruch vom Vorabend sollte er sich merken.

Das war mir definitiv ein innerlicher Reichsparteitag.

Da reichte es nicht aus, ihn abzuhängen. Da mußte es etwas mehr sein. ein bisschen demotivieren, damit er sich beim nächsten Mal demütig daran errinnert.

Es klappte. Bei meinem ersten Fotostop gestand er kleinlaut, daß er da nicht mitkam.

Balsam auf meine Seele….

 

Kuhjote war wie immer dicht an ihm dran. Ich bin auch davon überzeugt, daß er schneller als Berti war, sich das Spiel aber aus der ersten Reihe ansehen wollte.

Weiter ging es bis zum Pass. Alle waren nach dem Fotostop weitergefahren. Bis ich alles verpackt hatte dauerte es ein wenig.

In der nächsten Ortschaft wartete Siggi auf mich. Gemeinsam zogen wir an und fuhren den anderen hinterher.

Dann kam sie, diese eine Kurve, die ich bereits erwähnte. Die Sau…. Erste 180°-Rechts, kurz dahinter 180° links, berauf, leichte links um anschliessend rechts um einen Hügel herum zu führen, Rechts einlenken und das Ding macht zu! Aber richtig!

Enge Rechtskurve, nicht einzusehen. Teilweise Aufrichten, Vollbremsung, das Mopped rumgeworfen, Kurve so gerade noch bekommen.

Verdammt, ich habe beim ersten Mal doch noch gedacht: Die mußt du dir merken!

Trottel, das hätte böse ins Auge gehen können. Wenn da Gegenverkehr gewesen wäre, gar nicht auszudenken.

Wer weiss, vielleicht war es einfach an der Zeit mal wieder einen Dämpfer zu bekommen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, würde ich sagen.

Zweiter Tag, noch fünf Tage vor uns und ich mache hier so einen Stunt!

Die nächsten Kilomter fuhr ich Verhalten, mein Puls mußte sich erst wieder beruhigen.

Treffen auf der Passhöhe, Gemeinsame Abfahrt nach Imst, weiter ging es über wunderschöne Seitenstraßen zum Brenner.

Hier war natürlich an freies Fahren nicht zu denken. Jeder Geizkragen mit einem Wohnmobil scheint wegen 8 EUR Maut über diese Straße fahren zu müssen. Grausam, aber eben nicht zu vermeiden.

In Sterzing bogen wir ab zum Jaufenpass. Auch diese Auffahrt gestaltete sich durchaus schwierig. Sehr viel Verkehr, eine Horde unkalkulierbare Sportwagen vom Schlage Viper. Dies führte dann auch fast zu unserem ersten Unfall in der Gruppe. Als thomas gerade zum überholen ansetzte, fuhr ein BMW Z4 unmotiviert links herüber und verfehlte Thomas BMW nur um wenige Zentimeter. Große Aufregung, viel Geschrei, aber zum Glück war nichts passiert, wenn auch knapp.

Die gesamte Strecke fuhren wir sehr gemäßigt, immer in der Gruppe, was natürlich auch gegenseitiges Überholverbot bedeutete. Nach der Abfahrt vom Jaufenpass bogen wir in San Leonardo rechts ab zum Timmelsjoch.

Wieder freies Fahren, Treffpunkt der Eingang zum Tunnel. Ich wurde lange von PKWs aufgehalten, konnte mich nachher auf die Verfolgungsjagd machen.

Das Geschlängel an den Felsen vorbei ist eine wahre Freude. Zuerst waren Gabi und Thomas fällig, dann Bertis Frau. Kuhjote schaute sich in aller Seelenruhe deren Fahrt an und fuhr gemütlich hinter ihr her. Es dauerte auch nicht lange und ich hatte wieder Berti vor mir. Überholen war nicht einfach, da er natürlich auch immer den kürzesten Weg nahm und mir so die Überhlspur zu machte. Irgendwann bemerkte er mich dann endlich und hat mich vorbei gewunken. Gesehen habe ich ihn dann erst wieder am Tunnel. 😉

Nachdem uns ein Regenschauer auf dem Weg zurück nach Imst eingesaut hat, ging es mal wieder übers Hahntennjoch zurück zum Hotel.

Dieses mal wollte Siggi wohl nicht den Lumpensammler spielen und gab nach dem üblichen Freigabezeichen selber Gas.

Na also, endlich konnte ich mal aus der ersten Reihe die Sagenumwobenen Fähigkeiten der Guides beobachten.

Das ging schon ab was Siggi da mit seiner Adventure zeigte. Aber effektiv schnell war das nicht.

Schade, da mußte ich ihn dann irgendwann doch überholen. was hat der gelacht, als ich mich schon wieder verbremste.

Das war echt nicht mein Tag. Und auch hier war es eine Kurve die ich mir bei den vorherigen Auffahrten merken wollte.

Kann doch nicht sein. Die ganze Sache war letztendlich aber doch Harmlos.

Trotzdem, ich kam mir mal wieder vor wie der letzte Trottel. Und ausgerechnet Siggi war heute zweimal Zeuge wie es mich fast raushaute.

Aber was hilft es, man soll ja direkt weitermachen. Das tat ich dann auch und verdrängter erfolgreich das Erlebte.

Die Adventure kam nicht mehr mit. Bis es richtig schiffte. Ich wartete auf Siggi und gemeinsam fuhren wir bis zur Passhöhe. Dort warnte Siggi alle aus der Gruppe, daß es bergab richtig Glatt werden würde. Ganz vorsichtig fuhren wir dann den Pass herunter. In der ersten Kurve haute es dann Siggi fast vom Mopped. Das nenn ich mal einen Rutscher! Meine Fantasie sah ihn schon liegen, auch hier durfte wirklich kein Gegenverkehr sein, dann hätte es geknallt.

So, das war definitiv genug für den Tag, mehr brauchte ich nicht.

Auf direktem Weg ging es ins Hotel, Wunden verarzten. So einen Tag braucht man nicht öfter.

Auch wenns schön war, wirklich.

Die Summe der Stunts stand in keinem Verhältnis mehr:

1. Mein Verbremser bei der Überfahrt nach Imst am Morgen.

2. Ein „Fast-Sturz“ bei der Aufhohljagd den Brenner herauf: Durch eine Bodenwelle setzte die Q so stark mit dem Bremshebel auf, das es mich fast aushebelte.

3. Mein zweiter Verbremser von Imst hoch zum Pass

4. Siggis „Fast-Sturz“ im Regen

Das reichte für den Tag.

Für die nächste Tour bekamen wir einen neuen Guide. Und der sollte mit allen Wassern gewaschen sein. So erzählte man. Zwei Mopped haben ihn alleine in diesem Jahr nicht überlebt. Jetzt hatte er eine gepimpte Ducati Monster mit reichlich PS. Sein erster Auftritt war dann auch schon eindrucksvoll: Rudi kam auf dem Hinterrad auf den Hof geballtert. Erwähnte ich bereits, daß ich diesen Sound liebe? ha, das war doch mal was.

Man warnte uns vorher, daß Rudi nicht als Lumpensammler unterwegs ist. Er macht keine Gefangenen. Erster oder….

Mal sehen! Nicht zu vergessen, daß wir mal wieder Anhang bekommen hatten. Eine Gruppe Jungs aus dem Sauerland klinkten sich bei uns ein. Die Tour sollte über Warth, St. Anton auf die Silvretta Hochalpenstraße, und von dort über die Piller Höhe, Imst, Hahntennjoch (mal wieder) zurück ins Hotel gehen.

Die Fahrt ging sehr, sehr gemütlich los, blieb es auch bis St. Anton.

Rudi war wohl ein anderer Mensch geworden. Ganz gesittet und ruhig fuhr er vor uns her. Ein kurzer Abstecher auf den Furkapass zum Kaffeetrinken.

Ab der Mautstation der Silvretta-straße gab es freies Fahren. Geniale Strecke, wahnsinn.

Bis zum Stausee hatten wir eine Menge Moppeds überholt.

Eines war wirklich besonders. Ein Quad auf der letzten Rille bewegt hatte ich in der Form noch nicht gesehen. Der Junge liess es richtig fliegen. In jeder Kurve war mindestens ein Rad in der Luft. Was für ein Anblick.

Trotzdem überholte ich ihn irgendwann und fuhr die restlichen Kurven alleine. Kuhjote hing duch diverse Überholmanöver etwas zurück.

Den letzten Kick gab es dann kurz vor dem Stausee. Drei Moppeds, Japaner, mit den üblichen Papageienanzügen darauf. Zwei waren schnell aufgeschnupft, der Dritte liess sich etwas bitten.

Dafür war das Überholmanöver eines der besonderen Art, die Gelegenheit hat man nicht oft, eine R1 mit wasweissichwieviel PS.

Zwei, drei Kurven fuhr ich hinter ihm her. Dann kam eine ganz lange gezogene Rechtskurve, Bergauf.

Mein Vordermann machte sich bereit für die Kurve: Links rüber, bis an den Fahrbahnrand, die unteren Extremitäten wanderten in Richtung Kurveninneres, das Mopped blieb dabei erstaunlich Ruhig. Das Knie stand fast rechtwinklig vom Motorrad in Richtung Fahrbahn.

Ja, darauf hatte ich gewartet. Als er nach innen in die Kurve zog holte ich alles aus dem Boxer heraus und überholte ihn Aufrecht sitzend aussen herum.

Das muß aber doch weh tun. Würde es mir jedenfalls. Ihm scheinbar auch. Auf dem Parkplatz würdigte er mich keines Blickes. Obwohl ich ihn freundlich grüßte.

Sein Kumpel entschuldigte ihn mit dem Satz: Bei uns im Norden kennen wir solche Kurven nicht. Jep, jetzt sah ich auch das Nummernschild, die kamen aus Oldenburg…

Auf dem Rückweg durchfuhren wir den Unglücksort Galtür. Der neu aufgebaute Lawinenschutz ist schon monumental.

Ein kleiner Abstecher über Tobadil brachte uns zur Auffahrt Piller Höhe, von dort nach Imst und (schon wieder) zum Hahntennjoch.

Das nun folgende „Freie Fahren“ wurde wirklich zum Husarenritt.

 

 

Rudi gab das Zeichen und zog mit seiner Monster an.

Bei dieser Tour war die Reihenfolge Frank, ich und Kuhjote. Frank gab direkt Handzeichen und Kuhjote und ich verfolgten Rudi.

Jetzt wollte ich doch mal sehen was da geht. Mit einer GS hinter einer superhandlichen Monster mit mind. 100 PS. Das wird spaßig. Rudi gab auch alles. In jeder Kurve drückte ich, wie man es so nennt. Ich fuhr halb neben seinem Hinterrad, immer an der Kurveninnenseite. Aus den Kurven heraus lupfte bei ihm jedesmal das Vorderrad, was ihn nicht wirklich schneller machte. Und ich war jedesmal neben ihm, da ich etwas früher Gas gab.

Nach einer Weile fing Rudi an Fehler zu machen, er wurde sichtlich nervös.

Trotzdem muß man an der Stelle sagen, daß es nicht viele Leute gibt mit denen man so fahren kann. Sein späterer Spruch: „Do druckts mi ´n Berg nauf“ war schon klasse, er lachte wenigstens dabei.

Und er gab auf. Nach einer Weile gab er einfach auf und winkte mich vorbei.

Ich merkte allerdings recht schnell daß er dran bleiben wollte. Das habe ich ihm dann aber abgewöhnt indem ich ein paar schnelle Wechsel einbaute und das Stück vor dem Pass die Q richtig fliegen liess.

Auf einem Teilstück ist links die Felswand und rechts ein Holzgeländer. Zwei- Dreimal knallte mein Spiegel gegen das Geländer, aber das war nicht weiter kritisch, die Q zuckte noch nicht einmal. Es zeigte mir nur wie eng diese Passage ist.

Und heute ging es deutlich besser als Gestern.

Fehler waren keine dabei, kein Verbremser, die Q lief einfach wie am Schnürchen.

Ein paar Moppeds überholte ich noch auf dem Stück, dann kam die Passhöhe.

Dort angekommen beeilte ich mich die Q auf den Ständer zu stellen und den Helm abzunehmen. Alles das war natürlich pure Absicht. Rudi sollte sehen wieviel er verloren hatte. Es klappte….

Als er kam stand ich vor der Q mit erhobenen Daumen und zeigte ihm wieviel Spaß mir das gemacht hat. Seine Mimik war Anfangs nicht wirklich von Begeisterung geprägt. Aber das legte er schnell ab.

Wir lachten dann gemeinsam und er erzählte etwas in seiner Ur-Ösi-Sprache. Ich habe es mir nachher von Kuhjote übersetzen lassen: „do host mir ganz schön d´Gurken´grieben“.

Sollte wohl heissen: Da hast du mir gezeigt wo der Hammer hängt, so sagt man jedenfalls bei uns.

Zurück im Hotel ging er auch erstmal bei seinem Chef beichten.

Obwohl, gerne sehen die Ösis das nicht. Da kommt ein Flachlandtiroler daher, das erste Mal überhaupt in der Gegend und verbläst den Guide auf einer ihm eigenen Hausstrecke.

Nein, gerne sehen die das nicht, die Ösis…

Am Abend begann es zu regnen und die Diskussion um die nächste Tour wurde heftig geführt.

Die meisten wollen bei Regen nicht fahren. Ich war mir mit Kuhjote einig, daß ein Pass auch bei Regen ungemein Spaß machen kann.

Mit der Meinung standen wir aber ziemlich alleine da.

Bis zum nächsten Mittag warteten wir daher auf besseres Wetter.

Danach fuhren wir zu Viert los: Siggi, unser Guide der ersten drei Touren, Frank, Kuhjote und ich.

Für diese Tour stellte der Chef seine eigene Africa Twin unserem Guide zur Verfügung.

Wir wollten nur eine kleine Runde drehen, kurz durch das Namlostal nach Bichlbach und zurück.

Die Straßen waren nur teilweise trocken, das machte das Fahren recht kniffelig. Ab und zu immer wieder nasse Stellen, da fährt man nicht wirklich befreit in eine Kurve.

Die schattigen Stellen im Namlostal waren durchweg sehr Nass. Kuhjote und ich fuhren zwar für die Verhältnisse recht zügig, für den Rest der woche gar sehr langsam, trotzdem hatte Kuhjote seine Zigarette fertig geraucht, als die beiden anderen in Bichlbach ankamen.

Eine kurze Pause und wir fuhren zurück. Siggi vorweg, er wollte uns wohl mal zeigen wie man im Nassen fährt. Das dauerte aber nur bis zur ersten Rechtskurve.

Dort drehte er sich geschickt übers Hinterrad weg. Als ich kam, sah ich noch wie er sich wie eine Schildkröte über den Rücken abrollte.

Der Porsche 356 und der Jaguar E-Type, die Siggi vorher überholt hatte, verzögerten nicht einmal als sie einen Bogen um ihn herum fuhren.

Kuhjote und ich hoben die Twin erstmal wieder auf die Räder.

Passiert war bis auf angeknacksten Stolz nichts, zum Glück. Das Mopped war bis auf Kratzer völlig unversehrt. Siggi schimpfte auf die schlechten Reifen, wollte aber trotzdem direkt weiter.

Nach einem Sturz soll man direkt aufsteigen und weiterfahren.

Und so ging es weiter.

Freitag, der Vorletzte Tag zum Fahren.

Nero ist schon während des Frühstücks da und berichtet von seinem neuen Gefährt. Eine Yamaha, TT600, Alt, aber in einem guten Zustand.

Ich habe seit meiner Gilera ja eine Schwäche für derartige Moppeds. Mit meiner RC bin ich annähernd einhunderttausend Kilometer in knapp 8 Jahren gefahren.

Da kennt man die Eigenheiten eines Einzylinders. Und man weiss auch den Schwung auszunutzen.

Ich habe mir manches Mal überlegt, ob meine extremen Schräglagen vielleicht daher kommen.

Mit so einem Mopped muß man einfach Rollen lassen.

Aber egal, Nero stellte sich als Guide zur Verfügung. Wir sollten es nicht bereuen. Die Tour führte uns über Warth, Arlbergpass, Landeck, St. Moritz, Julierpass, Bernina, Livigno, Stilfser Joch, Reschanpass, Arlbergpass und über Warth zurück ins Hotel. Eine lange, aber fantastische Runde.

Über den Arlbergpass ging es in Richtung Samnaun. Kurz hinter dem Abzweig nach Samnaun fuhren wir in ein Tal mit nicht enden wollenden Kurven. Nero liess die TT richtig fliegen. Von hinten betrachtet ist das schon ein Anblick, wenn dieses sehr hohe Geschoß mit Nero drauf abwinkelt. Das ist mal ein langer Weg in die Schräglage…

Frank und ich liessen Nero und Kuhjote ziehen, da uns die Rennleitung der Schweizer ein wenig zu scharf ist.

Gemütlich gondelten wir hinter den beiden her. Als wir zwei wunderschöne Guzzis überholten, konnte ich nicht umhin mal den Daumen zu heben. Da kommt doch Nostalgie auf! War das früher mit der LeMans schön?! Die beiden hatten sich wohl vorher über Nero und Kuhjote dermaßen erschrocken, daß ihnen für uns nur der Stinkefinger übrigblieb. Also ehrlich, wo gibt es denn sowas?

Kurz danach standen wir an einer Baustellenampel und liessen und während der Rotphase permanent von denen wüst beschimpfen. Ach ja, muß auch bekloppte geben, wär doch sonst alles langweilig. Und das waren so schöne Moppeds….

Bei der Auffahrt zum Julierpass begegneten wir einer Gruppe Moppedfahrer, die partout weigerten sich überholen zu lassen. Die waren wirklich hartnäckig. Es waren ein paar Extrem-Japaner und eine Triumph.

Als wir aufliefen lieferten die sich gerade einen Sehenswerten Kampf mit einem ziemlich verrückten Alfa-Fahrer. Der Überholte an Stellen wo ich es mit dem Mopped nicht machen würde. Er fand auch Lücken zum einscheren, die eigentlich nicht wirklich vorhanden waren.

Die Jungs und Mädels der anderen Gruppe waren recht zügig unterwegs. Trotzdem gelang es Kuhjote und mir sie zu überholen. Nach einer kurzen Pause mußte wir wiederholt an ihnen vorbei. Auch diesesmal gaben sie irgendwann auf und wir kamen vorbei. Als wir gemeinsam auf dem Julierpass standen war der Umgang miteinander sehr freundlich. Sie gaben dann auch einstimmig zu, daß die Q auf diesen Straßen unschlagbar ist.

Ein kleiner Abstecher nach Livigno war das Ziel. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Dort genehmigten wir uns noch einige Espressi und ein Sandwich. Nero fuhr von hier den schnellsten Weg nach Hause, während wir über das Stilfser Joch und den Reschenpass fuhren.

Bei der Auffahrt zum Stilfser Joch machte sich dann doch die reine Fahrzeit bemerkbar und wir fuhren merklich gemütlicher. Es war aber auch weit und breit kein Anreiz zum Gasgeben zu sehen.

Trotzdem ist diese Straße immer wieder ein Erlebnis.

Bei der Abfahrt vom Reschenpass fing es mal wieder an zu regnen. Es blieb aber im Rahmen, so daß wir auf weiteren Regenschutz verzichteten.

An einer Tankstelle überlegten wir welchen Weg wir zuück nehmen. Man muß halt einmal über den Berg, da hilft nichts. Entweder über Warth und somit den Arlbergpass, oder mal wieder das Hahntennjoch. Wir entschlossen uns für ersteres.

Das sollte ein besonderes Erlebnis werden. So langsam war die Sonne hinter den Bergen verschwunden. Im Halbdunkeln war es eine angenehme Fahrt von Landeck nach Arlberg. Als wir aber auf die Passstraße abbogen, wunderten wir  uns dann doch ein wenig. Die Nebelschwaden kamen um die Ecke wie Qualm. Dichter Qualm. Die Sichtweite betrug bei großzügiger Schätzung noch 20-30 Meter.

Na Klasse, unbekannte Straße, das erste Mal im Dunkeln und jetzt noch Nebel. Aber das gehört nunmal dazu. Die Eindrücke bei einer solchen Fahrt sind nicht zu übertreffen.

Ab Stubenbach war der Nebel zwar weg, aber die Strecke bis Warth, halb durch den Wald, auf nasser Piste war trotzdem eine Herrausforderung. Um 21:30 Uhr betraten wir das Hotel. Und holten uns ersteinmal einen Rüffel bei Elke ab. Sie hatte sich natürlich um uns gesorgt.

Und ich meinte an der Tanke noch zu Kuhjote, ob wir uns nicht mal melden sollten… hätten wir mal besser! Die Blicke von Elke den Rest des Abends muß man erst einmal wegstecken….

Abends ging es dann noch zum Bikerfest. Bei Regen und Kälte. Die Stimmung war ok, wenn es auch nicht unbedingt mein Publikum war.

Nach ein paar Bierchen sind wir zurück ins Hotel.

Der Samstagmorgen war wieder nass, aber wenigstens ohne Regen. Wir entschlossen uns für eine kleine Runde ins Namlostal. Streckenweise war es trocken, und so konnte die Q zum Abschluß der Woche nochmal zeigen was sie kann. Auf dem Rückweg von Bischlbach nach Stanzach hatten es mir die 5 Kurven nach dem Abbiegen mal wieder besonders angetan.

Die sind so herrlich langezogen, da muß man einfach, so wie ich es nenne, die Kurven ziehen….

Soll heissen: immer kräftig den inneren Schweinehund überwinden und unter permanentem Beschleunigen in voller Schräglage am Gas bleiben.

Viel Bremsen muß man nicht, einfach rollen lassen. Das einzige Problem sind die Fußrasten.

Wie bereits weiter oben erwähnt ist es nirgendwo so einfach die Q auf die Rasten zu setzen wie im Namlostal. Der Grip ist erstaunlich, die Kurven meist weit einsehbar.

Als ich gerade mal wieder diese besagten ersten fünf Kurven genoss, habe ich wohl ein paar andere BMW-Fahrer, welche auf dem Parkplatz pausierten, ein wenig erschreckt. Jedenfalls standen sie mit offenen Mündern neben ihren Moppeds und starrten mich an.

Das muß aber auch ein Anblick sein: ein funkensprühender Trümmer von 240 KG in voller Schräglage….

In Stanzach überlegten wir uns noch einen Abstecher aufs Hahntennjoch zu machen. Mal was anderes im Nassen. Bisher war es bis auf die eine Abfahrt trocken und daher artete es auch immer ein wenig aus. Hier und jetzt war das was anderes, eine völlig neue Herrausforderung.

Auf der Höhe angekommen untersuchte Kuhjote seinen Hinterreifen. Er erzählte mir von unerklärlichen Rutschern, beim Gasgeben drehte das Hinterrad durch. Mir war ähnliches zum Glück erspart geblieben, aber ein Paar Ölflecken hatte ich gesehen. Bei der Abfahrt haben wir sie dann nochmal gesichtet und Kuhjote war erleichtert wenigstens eine Erklärung für das Rutschen zu haben.

Als Abschluß der Woche ging es dann nochmals zum Bikertreff.

Sonntag morgen wurde die Q auf das Auto geschnallt und nach einer anstregenden, aber fantastischen Woche fuhr ich nach Hause. Schade dass es vorbei war. Aber ich denke ich komme wieder….

 

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