AEW 2009 – Frank´s Antwort auf „Wie alles Begann“

Nachdem in dieser Geschichte ein Frank vorkommt, und ich ja nun bekanntlich auch Frank heisse, habe ich mich mal bemüht mich in diesen fiktiven, frei erfundenen Frank hineinzuversetzen.

Was also könnte dieser Frank gedacht, getan oder empfunden haben?

Ich stelle mir das so vor:

Als ich mich für die AEW angemeldet habe war mir bereits ein leichtes Gefühl von Unbehaben zu eigen.

Die Aussicht, mit Gleichgesinnten ein paar schöne Tage auf der Kuh zu verbringen, das machte mich an. Andererseits waren da aber die wilden Geschichten von Kuhjote und seiner Gelben…

An diese fahrerische Klasse, diesen Wagemut und die permanente Verachtung aller Gefahr – daran käme ich im Leben nicht heran.

Das war mir klar.

Würde mir da nicht nur die Rolle des einsam hinterherfahrenden Weicheis bleiben, verkrampft auf dem Kübel hockend und mühsam die rote Laterne hinter mir her zerrend?

Egal, auch wer wagt verliert oder so ähnlich und angemeldet. Der Kuh noch frische Reifen und Stahlflex spendiert und auf ins Gefecht!

Das Vorgeplänkel hatte ich ja nun allein auf der Anreise zu bewältigen und siehe da: Es lief ganz ordentlich.

Einige schöne Kurven gingen mir locker von der Hand, Klara machte ihre Sache sehr routiniert.

Ein kurze Inspektion während eines Zwischenstopps ergab: Der Angststreifen der neuen Bereifung hatte sich auf ein erträgliches Mass reduziert.

Fast schon blühte in mir ein zartes Gefühl von Zuversicht gegenüber den Herausforderungen der kommenden Woche auf… zumindest was den mit dem Motorrad zu fahrenden Teil anging… Ohne spektakuläre Vorkomnisse erreichte ich das Hotel.

Einchecken und dann erst mal die Lage peilen: Es ergab sich ein überaus erfreuliches Bild.

Auf der sonnigen Terasse hingen bereits zwei Gestalten mit Kaltgetränken ab.

Nach kurzem Zögern fasste ich mir ein Herz (Ich bin von Natur aus eher schüchtern und zurückhaltend) und erbat mir ein Plätzchen in der geselligen Runde.

Wie sich herausstellte war Markus der noch fehlende Mitfahrer der AEW, bei Oliver handelte es sich um einen Hotelgast.

Man stelle sich meine Erleichterung vor beim Anblick von Markus: Ein netter, absolut sympathisch wirkender Typ mittleren Alters, gesetzt, zurückhaltend und ganz sicher nicht über irgendwelche Stränge schlagen wollend.

Das war doch genau das was mir gefehlt hatte: Ein mit einem kleinem Wohlstandsbäuchchen sowie rheinischem Humor gesegneter Mitstreiter.

Ich war mir sicher, die rote Laterne war ich während der fahrerischen Aktivitäten los…

Nur wenige Biere später waren wir ein Herz und eine Seele und überboten uns in gegenseitigen Versicherungen, kein Wässerchen trüben und kein Motorrad mit mehr als 30 km/h bewegen zu können…

Mit uns als Teilnehmer der AEW würde die Sicherheit auf Tirols Strassen nachgerade ins Unermessliche steigen…

Das zarte Plänzchen der Hoffnung und Zuversicht hatte mächtige Triebe ausgeschlagen und mit dem seeligen Gefühl der Erleichterung begab ich mich (übrigens noch allein) in mein Bett.

Oh, trügerisches Seelenleben! Wie verschlungen und unergründlich sind Deine Pfade!

Nach einer kurzen Einweisung am nächsten Morgen durch Siggi, unserem auf mich irgendwie seltsam und befremdlich wirkenden Guide, ging es dann los.

Geplant war: Gemütliche Verbindungsfahrt zum Hahntennjoch, dann freies Fahren den Pass hoch…

Geboten wurde: Eine irre Verfolgungsjagd hinter einem offensichtlich völlig durchgeknallten Guide her, der bar jeden Verantwortungsgefühls nur den sehnlichen Wunsch kannte, allein am Fusse des Pass anzukommen.

Was mich betrifft, so wäre ihm das auch beinah gelungen. An meinem absolutem persönlichen Limit fahrend, konnte ich mich gerade noch so auf einer bockenden, um sich schlagenden und verzweifelt mit den Rädern scharrenden Klara halten.

Wenn das die Überführung war, wollte ich das freie Fahren nicht wirklich kennenlernen…

Mir blieb also nur eines: Wenn ich keine wilde Stampede abgedrehter Kühe mitsamt adrenalingeschwängerter Reiter im meinem Rücken haben wollte, musste ich diese Wahsinnigen vorbeilassen.

Demütig die rote Laterne entgegennehmend reihte ich mich ganz hinten wieder ein.

Tja, so kann man sich irren: Der nette Kerl Markus war gar nicht nett, der Mann war der absoluter Freak, eine Waffe auf zwei Rädern, die Mensch gewordene Verkörperung einer unkontrollierbaren, nicht zu bändigenden Aggression, rein und kalt.

Alles was der für seinen Trip brauchte war ein vor ihm fahrendes Motorrad… „Lieber tot als zweiter“ bekam hier für mich eine ganz unmittelbar erfahrbare Dimension…

Eines war klar: an der Laterne würde ich noch schwer zu schleppen haben.

Na, sowas in der Richtung wird er sich wohl gedacht haben, der Frank…

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