BMW R1200GS

Motor Getriebe Fahrwerk Geometrie Bremsen Fazit

Autor: MacDubh

AEW0245A.sized

Ausgiebige Probefahrt, ca. 50tkm in 2,5 Jahren.

Die hier beschriebene GS ist Baujahr 2005, mit Bremskraftverstärker, ABS, Griffheizung und kompletten Koffersatz.

Motor

1200ccm, 98 PS, Boxer, schüttelt und rüttelt, wie man es von einem Zweizylinder erwartet. Aber er kann auch anders. Drehmomentstark aus untersten Drehzahlen dampft er los, um dann ab 3000 u/min sauber und glatt, fast langweilig seinen Dienst zu tun. Jederzeit kalulierbar, ohne große Löcher mit Kraft in jeder Lebenslage. In höheren Drehzahlen geht die Spritzigkeit verloren. Aber dafür ist er auch nicht gebaut.
Es ist ein Reiseantrieb, und das merkt man ihm deutlich an, Sportler gehen da anders zu Werke. Aber genau das macht ihn so kalkulierbar.

Getriebe

Leichtgängig, ohne Druck zu bearbeiten, selbst der Leerlauf lässt sich ohne Murren leicht finden, ob im Stand oder im Rollen. Butterweich lassen sich die Gänge durchschalten, kein Klacken oder Rupfen. Obwohl man mit Nachdruck arbeiten muß. Japanisch-Leichtgängig fluppt das nicht, Kraft ist notwendig.

Fahrwerk

Mit dem Fahrwerk hat BMW eine Meisterleistung hingelegt. Trotz Kardan kein spürbarer Aufstellmoment. Da weiss man gar nicht mehr, warum die Dinger „Gummikühe“ heissen. An die Telelever-Federung an der Front muß man sich als Telegabel-erprobter Motorradfahrer erst gewöhnen. Ein wenig indirekt, mit wenig Feedback vom Vorderrad. Hat man sich daran gewöhnt, kann man die Q richtig fliegen lassen.
Die Federwege des Telelever bleiben auch beim Bremsen erhalten, womit auf schlechten Wegstrecken echte Vorteile daraus werden.

Das hintere Federbein ist im Orginalzustand einstellbar, über ein bequem zu erreichendes Stellrad unter der Sitzbank.

Schräglagenfreiheit ist reichlich vorhanden. Zuerst setzen die Fußrasten auf, und nicht, wie man meinen könnte, die Zylinder. Beim Durchfedern in Schräglage begrenzt sich die Schräglage Rechts zusätzlich über den Fußbremshebel, der durch seine geschwungene, untere Form sofort aufschlägt.

Geometrie / Sitzposition

Man sitzt „in“ der GS. Die Hände liegen entspannt am Lenker. An dieser Stelle gibt es für großgewachsene Fahrer Lenkererhöhungen aus dem Zubehör. Die Sitzbank ist höhenverstellbar und gibt es in Tief, Normal und Hoch. Auch hier gibt es Unmengen an Zubehörsitzbänken, z.B. Kahedo. Des Autors Sitzfleisch mochte die Orginalsitzbank gar nicht, daher ist eine niedrige Kahedobank montiert. Tagesetappen von 1000km und mehr sind kein Problem.
Sozius/Sozia tronen hinter dem Fahrer. Als ich einmal mitfahren mußte, vergab ich meiner Sozia alles. Es ist unfassbar anstrengend auf einer GS. Der Beinwinkel ist unmöglich und erschwert den Halt ungemein. Die Muskulatur ist über maßen beansprucht. Rückenmuskeln, die man nicht kannte, sind während der ganzen Fahrt angespannt. Abhilfe könnten tiefergelegte Fußrasten schaffen, getestet haben wir es noch nicht.

Die Bedienbarkeit der Armaturen, Schalter und Hebel sind gut, übersichtlich und ergonomisch. Einzig der Blinkerschalter ist mal wieder eine BMW-Extrawurst. Es reicht nicht, wie bei ALLEN anderne Herstellern, ein Schalter, es müssen derer drei sein. Links, um links zu blinken, rechts, um rechts zu blinken, und noch einen rechts, um den Blinker wieder auszuschalten. Schlimmer geht nimmer. Einen Vorteil hat dieses System allerdings: Die Blinker schalten sich nach einer gewissen Zeit selber aus.

Bremsen

Dank BKV (Elektrischer Bremskraftverstärker) benötigt die 2005er Version der GS beim Bremsen max. 2 Finger. Selbst eine Gewaltbremsung bringt sie nicht aus der Ruhe, sofern der richtige Reifen montiert ist. Auch nach einer Passabfahrt mit unmengen an Bremsmanövern lässt die Bremskraft nicht nach, Fading ist kein Thema. Die Geruchsbelästing sagt zwar was anderes, aber die Bremsen funktionieren sehr gut. Die Orginal Bremsscheiben von BMW waren nach ca. 20000km wellig. Lukas-Scheiben aus dem Zubehör machten die Bremse noch direkter und dosierbarer.

Einziger Wermutstropfen ist das verbaute ABS. Im Alltag ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsvorteil stört das System im Expressmodus erheblich. Das ABS öffnet bei Schlaglöchern die Bremse, was einem unter Umständen in Bedrängnis bringen kann. Will man die Haftgrente moderner Reifen ausnutzen, solltem an das ABS deaktivieren. Aber Achtung: Zündung aus und wieder an, und das ABS ist wieder aktiv!

Die gesamte Bremsanlage ist ein Integralbremssystem, d.h. die hintere Bremse bremst immer mit, ob man will oder nicht. Und hier noch ein Nachteil: der hintere Bremsbelag ist im Schnitt nach 10000km herunter gefahren.

Fazit

Wie sagt doch eine geschätzter Forenkollege immer: Mit der GS kann jeder Depp schnell fahren.
Und? Ja, er hat recht. Das Ding ist annähernd Narrensicher. Geht man allerdings an die Grenze der GS schlingert und bockt sie wie jede andere Diva auch. Diese Grenze ist sehr hoch gesteckt. Man muß sich schon richtig bemühen um die Q instabil zu fahren. Es geht, aber das ist dann schon erstaunlich schnell.

Lange Touren, dafür ist sie gebaut. Eigentlich… aber auch zum heizen geeignet kommt sie der „Eierlegenden Wollmilchsau“ schon erstaunlich nahe. Es gibt sicher bessere Motorräder. Aber keine bringt alle Vorteile so auf einen Nenner wie dieses Motorrad. Leider? Ja, ein bisschen schon…..

Denn sie hat auch erheblich Nachteile!
Bei mehreren mir bekannten GSsen ist der Hinterradantrieb zerbröselt. Die paar Modelle bedeuten sicher keinen (statistisch) generellen Konstruktionsmangel, aber es ist schon auffällig, dass alle bei ca. 40tkm aufgegeben haben. BMW hat das Hinterachsgetriebe überarbeitet und die Neuen sollen diese Probleme nicht mehr haben!

Das 2005er Modell hat ausserdem Kunststoffverschlüsse an den Seitenverkleidungen. Eine dieser Verkleidung ist mir bei ca. 180 km/h auf der Autobahn gegen das Bein geschlagen, gehalten nur noch von einer Schraube. Ein Mangel, den ich bei einem „Premiumprodukt“ dieser Preisklasse nicht tolerieren wollte und kann. Eine selbstkonstruierte Halterung verschraubt diese Verkleidung jetzt sicher.

Alles in allem macht das Teil spaß, richtig Spaß! Es ist der Alpenkiller schlechthin, hier ist sie zu Hause und fühlt sich wohl. Das merkt man mit jedem Meter und mit jedem überholten „Gebückten“, der sich langmachen muß um in Sichtweite zu bleiben. Jedenfalls in den Alpen… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Protected by WP Anti Spam