KTM 690 SMC

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Autor: Mark

Ich habe seit Februar 2010 eine 690 SMC und seitdem ca. 11.000 Km mit der Maschine gefahren. Ich fahre mit der Maschine hauptsächlich kleine kurvige Landstraßen und von Zeit zu Zeit auch auf Rennstrecken. Die hier beschriebene SMC hat einen BOS Sportauspuff mit geändertem Luftfilterkasten und darauf angepasstem Mapping.
Ausserdem ist der Gangsensor deaktiviert und die Maschine kürzer übersetzt, da die Höchstgeschwindigkeit von ca. 180 Km/h auf der Maschine einfach kaum zu fahren ist und man auf Landstraßen eh nicht so schnell fahren darf.
Ausserdem verfügt das Baujahr 2010 über Tubeless Räder um die ungefederten und rotierenden Massen zu reduzieren.

Motor:

Der Motor hat 654 ccm und leistet Serienmäßig 63 PS und 64 Nm. Er hat ein relativ lautes Betriebsgeräusch im Vergleich zu Vierzylindern. Die Vibrationen sind nur sehr gering zu spüren. Durch das oben genannte Tuning erreicht der Motor jetzt 67PS bei 75 Nm. Hauptaugenmerk war jedoch eine Leistungssteigerung im unteren Drehzahlbereich da der Motor dort im Serienzustand schwächelt. Der Motor dreht sehr schnell hoch und hat ein gutes Ansprechverhalten, der rote Bereich beginnt bei 8.000 U/min, der Begrenzer kommt bei ca. 8.900 U/min. Unterhalb von 3.000 U/min hackt der Motor auf die Kette ein ab ca. 4.500 U/min wird er lebendig und ab 5.500 U/min geht es richtig nach vorne.
Es stehen mittels Wahlschalter unter der Sitzbank, drei verschiedene Ansprechverhalten zur Verfügung: Standard, Soft und Advanced. Soft habe ich noch nie ausprobiert da hier auch 20 PS weniger bereit stehen und das eher für den Enduro Einsatz gedacht ist. Advanced liefert ein äußerst direktes Ansprechverhalten, welches für den ottonormalen Fahrer wahrscheinlich zu aggressiv ist. Standard ist zwar aggressiv aber nicht zu direkt. Solange man den Motor oberhalb von 4.500 U/min hält hat man für jede Lebenslage genug Leistung. Die Ölwechsel sollen alle 7.500 km erfolgen.

Getriebe:

6 Gänge und einer meiner beiden Kritikpunkte an der Maschine. Die ersten Gänge lassen sich gut schalten, aber der fünfte und sechste harken öfters oder springen raus und es gibt auch einen Leerlauf zwischen viertem und fünftem Gang. Das Problem ist kein Einzelfall sondern tritt bei allen 690ern auf. Ansonsten ist das Getriebe gut abgestuft und bietet für jede Lebenslage die passende Übersetzung. Die Kupplung ist eine APTC Anti Hopping Kupplung. Diese lässt sich sehr leicht bedienen und die Anti Hopping Funktion ist passend zur Supermoto abgestimmt, lässt sich aber durch andere Federn noch verstellen.

Fahrwerk:

Das Fahrwerk vollständig einstellbar mit 275 mm Federweg vorne und 265 mm hinten. Die Dämpfung sowie die Härte des Fahrwerks passen hervorragend zum Einsatz als Supermoto, für den Strasseneinsatz reicht das Standard Setup für die Rennstrecke passt das von KTM vorgegeben Sport Setup ebenso. Einziges Manko und damit der zweite Kritikpunkt ist das bescheidene Ansprechverhalten der 48mm USD Gabel. Das Losbrechmoment ist viel zu hoch, hier sollte der engagierte Fahrer nachbessern. Ansonsten arbeitet das Fahrwerk auch im Offroad sehr gut und bietet in jeder Lebenslage genug Reserven und eine gute Rückmeldung. Die Sitzhöhe liegt bei 900 mm und dürfte kleineren Menschen Probleme bereiten. Ich bin 1,90m und habe keine Probleme. Der kurze Radstand von 1480mm sowie der dementsprechende Steuerkopfwinkel von 63° und das geringe Fahrzeuggesamtgewicht von 139 Kg ergeben ein sehr agiles Handling. Die Maschine liegt stabil in der Kurve, sollte aber unter Zug gehalten werden um bei großen Schräglagen mehr Stabilität zu erreichen. Die Maschine verlangt eine sportliche Fahrweise und wird erst unter erfahrenen Fahrern ihr ganzes Potential ausspielen. Unerfahrenen Fahrern bereitet das agile Handling ab einem gewissen Schräglagenwinkel unter Umständen Probleme.

 

Geometrie / Sitzposition

Die 690 SMC ist wie der Name schon sagt die Sportlichste ihrer Modellreihe. Damit einher gehen ein schmaler Knieschluss und eine relativ schmale und harte Sitzbank. Der Knieschluss ist hervorragend und man sitzt sportlich nah am Lenker. Die vordere Seitenverkleidung hat extra Flächen um das Bein beim Supermoto fahren typischen ausstrecken zu Unterstützen. Die Sitzbank wird wenn man lange Etappen fährt relativ unbequem solange man nicht öfters seine Sitzposition verändert. Der Lenker der SMC ist vielfach verstellbar. Die Gabelbrücke verfügt Serienmäßig über zwei Verstellpostionen für den Lenker. Von KTM gibt es Lenkererhöhungen als auch Erniedrigungen. Im Soziusbetrieb ist es weder für den Fahrer noch für den oder die Sozia/ Sozius bequem, schon kurze Strecken sind eher unangenehm und auch die Bewegungsfreiheit für beide wird stark eingeschränkt. Die SMC ist wirklich nicht für den Zweipersonenbetrieb ausgelegt. Der 12 Liter Tank, welcher gleichzeitig das Rahmenheck bildet liefert eine Reichweite von ca. 140 Km bis zur Reserve, bei sportlicher Fahrweise. Das ist dem Einsatzzweck entsprechend und könnte aus meiner Sicht auch nur 9 Liter fassen um eine weitere Gewichtsersparnis zu ermöglichen.

Bremsen

Die Bremsen sind hervorragend sie stammen vorne als auch hinten, wie bei KTM üblich aus dem Hause Brembo und leisten sehr gute Dienste. Vorne arbeitet ein radial verschraubter Vierkolbensattel, bei welchem auch vier einzelne Beläge zum Einsatz kommen. Dieser Sattel greift in eine 320er voll schwimmend gelagerte Scheibe und sorgt neben einer guten Dosierbarkeit auch für eine gute Bremsleistung. Die Bremse lässt sich mit Feingefühl auch im Gelände durchaus gut benutzen. Der Bremshebel ist ebenfalls vierfach verstellbar. Am Hinterrad verrichten ein Einkolbensattel in Kombination mit einer 240er Bremsscheibe ihre Arbeit. Auch der Fußbremshebel ist in seiner Position verstellbar. Beide Bremsen neigen nicht zum Fading, selbst unter Rennstreckeneinsatz ist bei mir noch kein Fading aufgetreten, obwohl der Bremspunkt bei Betriebstemperatur etwas näher am Griff ist als bei kalten Bremsen.

Reifen

Der Serienmäßige Pirelli Supercorsa Pro leistet sehr gute Dienste und bietet sehr guten Grip. Ein Hinterreifen hält bei mir ca. 1.800 km, ein Vorderreifen ungefähr 3.000 km. Für die SMC sind neben Straßenzugelassenen Rennreifen auch Tourenreifen freigegeben, zu diesen Reifen kann ich jedoch keine Aussage treffen. Ich persönlich bevorzuge jedoch den Supercorsa in der nicht zugelassen weichen Mischung vorne und der nicht zugelassenen harten Mischung hinten. Das reduziert die Lebensdauer zwar nochmal erheblich und die Eigenschaften des kalten Reifens sind eher schlecht, jedoch sind diese Reifen bei Erreichen der Betriebstemperatur allen anderen überlegen.

Fazit

Die KTM 690 SMC ist eine reinrassige Straßen zugelassene Supermoto die wenig Kompromisse eingeht. Die großen Inspektionsintervalle und der große Tank sind die einzigen Kompromisse die sie eingeht. Die Maschine entspricht genau meinen Anforderungen und macht mir bei jeder Ausfahrt aufs Neue einen riesen Spaß. Die SMC bietet reichlich Reserven und ist auch alltagstauglich, vorausgesetzt man hat ein gutes Sitzfleisch. Auf engen kurvigen Landstraßen fühlt sie sich am wohlsten, auch ein Ausflug in den Wald ist durchaus möglich, lediglich auf der Rennstrecke macht das relativ hohe Gewicht ein paar Probleme, jedoch ist dass, was die SMC bietet, für jeden Hobby Piloten vollkommen ausreichend. Die Maschine ist absolut zuverlässig und hat mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen. Und eins ist sicher: auf Alpenpässen sind alle Reihenvierer und jede GS weit Unterlegen. 😉

One Comment

  1. Hallo,
    die KTM SMC ist ein tolles Motorrad. Fahre diese selbst auch schon seit 2 Jahren und habe keinerlei Probleme damit gehabt. Kann Sie nur Weiterempfehlen.

    Mit Freundlichen Grüßen,
    Wilko

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