KTM 990 Adventure

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Autor: Dieter

Ausgiebige Probefahrt, ca. 26tkm in 2 Jahren.
Die hier beschriebene KTM ist Baujahr 2008, mit ABS, Griffheizung und komplettem Koffersatz.

Motor

990ccm, 98 PS, 2-Zylinder, schüttelt wie ein Zweizylinder und macht sich auch lautstark bemerkbar, obwohl ich keine Akrapovic montiert habe wie die meisten Besitzer. Der rote Bereich fängt bei 9000 U/min erst an und ab 3000 U/min ist ein absolut sauberer Lauf zu spüren, bei 6000 U/min geht dann noch mal richtig die Post ab. Der Motor reagiert derart direkt auf den Gasgriff, dass manche Fahrer andere Griffübersetzungen montieren, da ein konstantes Langsam fahren, gerade auf Schotter oder im Gelände fast nicht möglich ist. Aber auf der Straße genügt es ein wenig Feinmotorik zu praktizieren, dann geht es auch ohne Umbaumaßnahmen. Der Motor kommt aus dem Sportbereich und das merkt man noch immer, trotz Weichspülung für die Straßenzulassung.

Getriebe

6 Gänge, ohne Probleme zu schalten (der erste Gang ist schon mal zu hören), der Leerlauf lässt sich leicht finden, ob im Stand oder im Rollen. Die Gänge lassen sich leicht durchschalten, kein Vertun, kein Leerlauf dazwischen, kein Klacken oder Rupfen. Allerdings waren meine vorherigen Japaner da schon noch besser, man muss schon „deutlich“ schalten.

Fahrwerk

Das WP Fahrwerk der Adventure ist über jeden Zweifel erhaben. Mehr Einstellmöglichkeiten als ich je nutzen werde und die Grundeinstellung ab Werk genügt für Straße und leichtes Gelände, lediglich bei Gepäck oder Sozia muss hinten eben (an einem heraus klappbaren Drehrad) die Vorspannung erhöht werden. Der Federweg der „normalen“ Adventure ist mit 210 mm vorn wie hinten ausreichend für alle Strecken, die meine Kondition erlaubt. Ab 2008er Baujahr passen auch kleinere Leute drauf, ich komme gleichzeitig nur mit den vorderen Fußballen auf den Boden, das reicht aber völlig, um sich sicher zu fühlen.
Feedback gibt es sowohl von vorn als auch von hinten genügend, obwohl schon vieles weggefiltert wird, was mich früher bei den Japanern zu langsamerer Gangart veranlasst hat.
Schräglagenfreiheit ist reichlich vorhanden, bisher war es nicht notwendig (wie bei all meinen Japanern) die Fuhre hinten höher zu legen. Bis die Fußrasten aufsetzen, muss man schon recht heftig unterwegs sein – vorher schleift man die Kofferecken ab.

Geometrie / Sitzposition

Man sitzt „in“ der Adventure. Die Hände liegen entspannt am Lenker. Für großgewachsene Fahrer gibt es Lenkererhöhungen sowohl von KTM als auch von Fremdherstellern. Die Sitzbank ist nicht höhenverstellbar, aber es gibt Sitzbänke in unterschiedlichen Höhen und sogar mit Geleinlage direkt vom Hersteller – auch von Zubehöranbietern. Ich habe mir bei Touratech (Hersteller Kahedo) die „normal“ hohe Sitzbank zugelegt, die deutlich besser ist, weil ohne harte Kanten an den Seiten und mit einer Hohlkehle in der Mitte. Seitdem sind auch lange Strecken (800 km am Stück) kein Problem.
Sozius/Sozia haben angeblich einen akzeptablen Platz, aber auf Dauer ist es für den Fahrer weniger angenehm, weil er sich nicht mehr hin und her bewegen kann und auch die Beweglichkeit der Maschine darunter leidet.
Die Bedienung von Armaturen, Schaltern und Hebeln ist gut, übersichtlich und ergonomisch. Selbst im Stehen geht es noch für kürzere Etappen. Der Knieschluss am Tank ist beim Serientank sehr angenehm – im Zubehör gibt es einen 45 Liter Tank, der kaum breiter ist, aber die Kosten von EUR 1300,- ohne Einbau halten mich doch davon ab.

Bremsen

Durch die auch fürs Gelände vorgesehene Vorderradbremse ist keine so giftige Reaktion wie bei einem Japaner vorhanden. Man muss schon mit der ganzen Hand ordentlich zulangen, um eine Vollbremsung zu erreichen, aber dank gut regelndem ABS und dem genialen Fahrwerk bringt auch eine Gewaltbremsung das Motorrad nicht aus der Ruhe. Auch nach heftigen Passabfahrten mit reichlich Bremsmanövern lässt die Bremskraft nicht nach, kein Fading zu spüren.

Reifen

Einziger Wermutstropfen ist das stark eingeschränkte Angebot von Reifen. Nur 4 Stück sind in Deutschland überhaupt zugelassen: Pirelli Scorpion (Serie und für Straße und leichtes Gelände geeignet), Continental TKC80 (nur bis 160 km/h und für die Straße nicht das Wahre), Metzler Karoo (ebenfalls mehr fürs Gelände) oder der Bridgestone BT023 für hinten und der BW501 für vorne (nur Straße und vorne nicht wirklich der Bringer).
Der bei den Österreichern so heißgeliebte Conti Trail Attack ist in Deutschland leider nur für die Adventure Version ohne ABS zugelassen, da er angeblich so viel Grip hat, dass bei einer ABS-Vollbremsung ein Überschlag möglich wäre.

Fazit

Wer einmal eine KTM gefahren hat: schmale Reifen (vorn 90er auf 21“ Felge, hinten 150er auf 18“), nur ganz knapp über 200 kg und ein Motor, der sich bis in hohe Drehzahlen wohlfühlt, der dürfte entweder infiziert sein (ich habe nach der ersten Probefahrt sofort meinen Japaner verkauft) oder er pflückt lieber Blümchen – oder die BMW-Brille ist bereits angewachsen … 😉
Eines ist sicher: die Grenzen der KTM sind deutlich weiter gesteckt als die des Fahrers.
Für lange Touren ist sie genauso geeignet wie für (wegen der Reifen etwas eingeschränkt) gelegentliches Heizen.
Das Teil macht auch nach 2 Jahren noch so richtig viel Spaß! Und ob die GS wirklich der einzig wahre Alpenkiller schlechthin ist, sollte man vielleicht nach der RBW noch mal überlegen … 😉
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