AEW 2009-4
Kuhjote war wie immer dicht an ihm dran. Ich bin auch davon überzeugt, daß er schneller als Berti war, sich das Spiel aber aus der ersten Reihe ansehen wollte.
Weiter ging es bis zum Pass. Alle waren nach dem Fotostop weitergefahren. Bis ich alles verpackt hatte dauerte es ein wenig.
In der nächsten Ortschaft wartete Siggi auf mich. Gemeinsam zogen wir an und fuhren den anderen hinterher.
Dann kam sie, diese eine Kurve, die ich bereits erwähnte. Die Sau…. Erste 180°-Rechts, kurz dahinter 180° links, berauf, leichte links um anschliessend rechts um einen Hügel herum zu führen, Rechts einlenken und das Ding macht zu! Aber richtig!
Enge Rechtskurve, nicht einzusehen. Teilweise Aufrichten, Vollbremsung, das Mopped rumgeworfen, Kurve so gerade noch bekommen.
Verdammt, ich habe beim ersten Mal doch noch gedacht: Die mußt du dir merken!
Trottel, das hätte böse ins Auge gehen können. Wenn da Gegenverkehr gewesen wäre, gar nicht auszudenken.
Wer weiss, vielleicht war es einfach an der Zeit mal wieder einen Dämpfer zu bekommen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, würde ich sagen.
Zweiter Tag, noch fünf Tage vor uns und ich mache hier so einen Stunt!
Die nächsten Kilomter fuhr ich Verhalten, mein Puls mußte sich erst wieder beruhigen.
Treffen auf der Passhöhe, Gemeinsame Abfahrt nach Imst, weiter ging es über wunderschöne Seitenstraßen zum Brenner.
Hier war natürlich an freies Fahren nicht zu denken. Jeder Geizkragen mit einem Wohnmobil scheint wegen 8 EUR Maut über diese Straße fahren zu müssen. Grausam, aber eben nicht zu vermeiden.
In Sterzing bogen wir ab zum Jaufenpass. Auch diese Auffahrt gestaltete sich durchaus schwierig. Sehr viel Verkehr, eine Horde unkalkulierbare Sportwagen vom Schlage Viper. Dies führte dann auch fast zu unserem ersten Unfall in der Gruppe. Als thomas gerade zum überholen ansetzte, fuhr ein BMW Z4 unmotiviert links herüber und verfehlte Thomas BMW nur um wenige Zentimeter. Große Aufregung, viel Geschrei, aber zum Glück war nichts passiert, wenn auch knapp.
Die gesamte Strecke fuhren wir sehr gemäßigt, immer in der Gruppe, was natürlich auch gegenseitiges Überholverbot bedeutete. Nach der Abfahrt vom Jaufenpass bogen wir in San Leonardo rechts ab zum Timmelsjoch.
Wieder freies Fahren, Treffpunkt der Eingang zum Tunnel. Ich wurde lange von PKWs aufgehalten, konnte mich nachher auf die Verfolgungsjagd machen.
Das Geschlängel an den Felsen vorbei ist eine wahre Freude. Zuerst waren Gabi und Thomas fällig, dann Bertis Frau. Kuhjote schaute sich in aller Seelenruhe deren Fahrt an und fuhr gemütlich hinter ihr her. Es dauerte auch nicht lange und ich hatte wieder Berti vor mir. Überholen war nicht einfach, da er natürlich auch immer den kürzesten Weg nahm und mir so die Überhlspur zu machte. Irgendwann bemerkte er mich dann endlich und hat mich vorbei gewunken. Gesehen habe ich ihn dann erst wieder am Tunnel. ;-)
Nachdem uns ein Regenschauer auf dem Weg zurück nach Imst eingesaut hat, ging es mal wieder übers Hahntennjoch zurück zum Hotel.
Dieses mal wollte Siggi wohl nicht den Lumpensammler spielen und gab nach dem üblichen Freigabezeichen selber Gas.
Na also, endlich konnte ich mal aus der ersten Reihe die Sagenumwobenen Fähigkeiten der Guides beobachten.
Das ging schon ab was Siggi da mit seiner Adventure zeigte. Aber effektiv schnell war das nicht.
Schade, da mußte ich ihn dann irgendwann doch überholen. was hat der gelacht, als ich mich schon wieder verbremste.
Das war echt nicht mein Tag. Und auch hier war es eine Kurve die ich mir bei den vorherigen Auffahrten merken wollte.
Kann doch nicht sein. Die ganze Sache war letztendlich aber doch Harmlos.
Trotzdem, ich kam mir mal wieder vor wie der letzte Trottel. Und ausgerechnet Siggi war heute zweimal Zeuge wie es mich fast raushaute.
Aber was hilft es, man soll ja direkt weitermachen. Das tat ich dann auch und verdrängter erfolgreich das Erlebte.
Die Adventure kam nicht mehr mit. Bis es richtig schiffte. Ich wartete auf Siggi und gemeinsam fuhren wir bis zur Passhöhe. Dort warnte Siggi alle aus der Gruppe, daß es bergab richtig Glatt werden würde. Ganz vorsichtig fuhren wir dann den Pass herunter. In der ersten Kurve haute es dann Siggi fast vom Mopped. Das nenn ich mal einen Rutscher! Meine Fantasie sah ihn schon liegen, auch hier durfte wirklich kein Gegenverkehr sein, dann hätte es geknallt.
So, das war definitiv genug für den Tag, mehr brauchte ich nicht.
Auf direktem Weg ging es ins Hotel, Wunden verarzten. So einen Tag braucht man nicht öfter.
Auch wenns schön war, wirklich.
Die Summe der Stunts stand in keinem Verhältnis mehr:
1. Mein Verbremser bei der Überfahrt nach Imst am Morgen.
2. Ein „Fast-Sturz“ bei der Aufhohljagd den Brenner herauf: Durch eine Bodenwelle setzte die Q so stark mit dem Bremshebel auf, das es mich fast aushebelte.
3. Mein zweiter Verbremser von Imst hoch zum Pass
4. Siggis „Fast-Sturz“ im Regen
Das reichte für den Tag.
Für die nächste Tour bekamen wir einen neuen Guide. Und der sollte mit allen Wassern gewaschen sein. So erzählte man. Zwei Mopped haben ihn alleine in diesem Jahr nicht überlebt. Jetzt hatte er eine gepimpte Ducati Monster mit reichlich PS. Sein erster Auftritt war dann auch schon eindrucksvoll: Rudi kam auf dem Hinterrad auf den Hof geballtert. Erwähnte ich bereits, daß ich diesen Sound liebe? ha, das war doch mal was.
Man warnte uns vorher, daß Rudi nicht als Lumpensammler unterwegs ist. Er macht keine Gefangenen. Erster oder….
Mal sehen! Nicht zu vergessen, daß wir mal wieder Anhang bekommen hatten. Eine Gruppe Jungs aus dem Sauerland klinkten sich bei uns ein. Die Tour sollte über Warth, St. Anton auf die Silvretta Hochalpenstraße, und von dort über die Piller Höhe, Imst, Hahntennjoch (mal wieder) zurück ins Hotel gehen.
Die Fahrt ging sehr, sehr gemütlich los, blieb es auch bis St. Anton.
Rudi war wohl ein anderer Mensch geworden. Ganz gesittet und ruhig fuhr er vor uns her. Ein kurzer Abstecher auf den Furkapass zum Kaffeetrinken.
Ab der Mautstation der Silvretta-straße gab es freies Fahren. Geniale Strecke, wahnsinn.
Bis zum Stausee hatten wir eine Menge Moppeds überholt.
Eines war wirklich besonders. Ein Quad auf der letzten Rille bewegt hatte ich in der Form noch nicht gesehen. Der Junge liess es richtig fliegen. In jeder Kurve war mindestens ein Rad in der Luft. Was für ein Anblick.
Trotzdem überholte ich ihn irgendwann und fuhr die restlichen Kurven alleine. Kuhjote hing duch diverse Überholmanöver etwas zurück.
Den letzten Kick gab es dann kurz vor dem Stausee. Drei Moppeds, Japaner, mit den üblichen Papageienanzügen darauf. Zwei waren schnell aufgeschnupft, der Dritte liess sich etwas bitten.
Dafür war das Überholmanöver eines der besonderen Art, die Gelegenheit hat man nicht oft, eine R1 mit wasweissichwieviel PS.
Zwei, drei Kurven fuhr ich hinter ihm her. Dann kam eine ganz lange gezogene Rechtskurve, Bergauf.
Mein Vordermann machte sich bereit für die Kurve: Links rüber, bis an den Fahrbahnrand, die unteren Extremitäten wanderten in Richtung Kurveninneres, das Mopped blieb dabei erstaunlich Ruhig. Das Knie stand fast rechtwinklig vom Motorrad in Richtung Fahrbahn.
Ja, darauf hatte ich gewartet. Als er nach innen in die Kurve zog holte ich alles aus dem Boxer heraus und überholte ihn Aufrecht sitzend aussen herum.
Das muß aber doch weh tun. Würde es mir jedenfalls. Ihm scheinbar auch. Auf dem Parkplatz würdigte er mich keines Blickes. Obwohl ich ihn freundlich grüßte.
Sein Kumpel entschuldigte ihn mit dem Satz: Bei uns im Norden kennen wir solche Kurven nicht. Jep, jetzt sah ich auch das Nummernschild, die kamen aus Oldenburg…
Auf dem Rückweg durchfuhren wir den Unglücksort Galtür. Der neu aufgebaute Lawinenschutz ist schon monumental.
Ein kleiner Abstecher über Tobadil brachte uns zur Auffahrt Piller Höhe, von dort nach Imst und (schon wieder) zum Hahntennjoch.
Das nun folgende „Freie Fahren“ wurde wirklich zum Husarenritt.
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