AEW 2009-5
Rudi gab das Zeichen und zog mit seiner Monster an.
Bei dieser Tour war die Reihenfolge Frank, ich und Kuhjote. Frank gab direkt Handzeichen und Kuhjote und ich verfolgten Rudi.
Jetzt wollte ich doch mal sehen was da geht. Mit einer GS hinter einer superhandlichen Monster mit mind. 100 PS. Das wird spaßig. Rudi gab auch alles. In jeder Kurve drückte ich, wie man es so nennt. Ich fuhr halb neben seinem Hinterrad, immer an der Kurveninnenseite. Aus den Kurven heraus lupfte bei ihm jedesmal das Vorderrad, was ihn nicht wirklich schneller machte. Und ich war jedesmal neben ihm, da ich etwas früher Gas gab.
Nach einer Weile fing Rudi an Fehler zu machen, er wurde sichtlich nervös.
Trotzdem muß man an der Stelle sagen, daß es nicht viele Leute gibt mit denen man so fahren kann. Sein späterer Spruch: „Do druckts mi ´n Berg nauf“ war schon klasse, er lachte wenigstens dabei.
Und er gab auf. Nach einer Weile gab er einfach auf und winkte mich vorbei.
Ich merkte allerdings recht schnell daß er dran bleiben wollte. Das habe ich ihm dann aber abgewöhnt indem ich ein paar schnelle Wechsel einbaute und das Stück vor dem Pass die Q richtig fliegen liess.
Auf einem Teilstück ist links die Felswand und rechts ein Holzgeländer. Zwei- Dreimal knallte mein Spiegel gegen das Geländer, aber das war nicht weiter kritisch, die Q zuckte noch nicht einmal. Es zeigte mir nur wie eng diese Passage ist.
Und heute ging es deutlich besser als Gestern.
Fehler waren keine dabei, kein Verbremser, die Q lief einfach wie am Schnürchen.
Ein paar Moppeds überholte ich noch auf dem Stück, dann kam die Passhöhe.
Dort angekommen beeilte ich mich die Q auf den Ständer zu stellen und den Helm abzunehmen. Alles das war natürlich pure Absicht. Rudi sollte sehen wieviel er verloren hatte. Es klappte….
Als er kam stand ich vor der Q mit erhobenen Daumen und zeigte ihm wieviel Spaß mir das gemacht hat. Seine Mimik war Anfangs nicht wirklich von Begeisterung geprägt. Aber das legte er schnell ab.
Wir lachten dann gemeinsam und er erzählte etwas in seiner Ur-Ösi-Sprache. Ich habe es mir nachher von Kuhjote übersetzen lassen: „do host mir ganz schön d´Gurken´grieben“.
Sollte wohl heissen: Da hast du mir gezeigt wo der Hammer hängt, so sagt man jedenfalls bei uns.
Zurück im Hotel ging er auch erstmal bei seinem Chef beichten.
Obwohl, gerne sehen die Ösis das nicht. Da kommt ein Flachlandtiroler daher, das erste Mal überhaupt in der Gegend und verbläst den Guide auf einer ihm eigenen Hausstrecke.
Nein, gerne sehen die das nicht, die Ösis…
Am Abend begann es zu regnen und die Diskussion um die nächste Tour wurde heftig geführt.
Die meisten wollen bei Regen nicht fahren. Ich war mir mit Kuhjote einig, daß ein Pass auch bei Regen ungemein Spaß machen kann.
Mit der Meinung standen wir aber ziemlich alleine da.
Bis zum nächsten Mittag warteten wir daher auf besseres Wetter.
Danach fuhren wir zu Viert los: Siggi, unser Guide der ersten drei Touren, Frank, Kuhjote und ich.
Für diese Tour stellte der Chef seine eigene Africa Twin unserem Guide zur Verfügung.
Wir wollten nur eine kleine Runde drehen, kurz durch das Namlostal nach Bichlbach und zurück.
Die Straßen waren nur teilweise trocken, das machte das Fahren recht kniffelig. Ab und zu immer wieder nasse Stellen, da fährt man nicht wirklich befreit in eine Kurve.
Die schattigen Stellen im Namlostal waren durchweg sehr Nass. Kuhjote und ich fuhren zwar für die Verhältnisse recht zügig, für den Rest der woche gar sehr langsam, trotzdem hatte Kuhjote seine Zigarette fertig geraucht, als die beiden anderen in Bichlbach ankamen.
Eine kurze Pause und wir fuhren zurück. Siggi vorweg, er wollte uns wohl mal zeigen wie man im Nassen fährt. Das dauerte aber nur bis zur ersten Rechtskurve.
Dort drehte er sich geschickt übers Hinterrad weg. Als ich kam, sah ich noch wie er sich wie eine Schildkröte über den Rücken abrollte.
Der Porsche 356 und der Jaguar E-Type, die Siggi vorher überholt hatte, verzögerten nicht einmal als sie einen Bogen um ihn herum fuhren.
Kuhjote und ich hoben die Twin erstmal wieder auf die Räder.
Passiert war bis auf angeknacksten Stolz nichts, zum Glück. Das Mopped war bis auf Kratzer völlig unversehrt. Siggi schimpfte auf die schlechten Reifen, wollte aber trotzdem direkt weiter.
Nach einem Sturz soll man direkt aufsteigen und weiterfahren.
Und so ging es weiter.
Freitag, der Vorletzte Tag zum Fahren.
Nero ist schon während des Frühstücks da und berichtet von seinem neuen Gefährt. Eine Yamaha, TT600, Alt, aber in einem guten Zustand.
Ich habe seit meiner Gilera ja eine Schwäche für derartige Moppeds. Mit meiner RC bin ich annähernd einhunderttausend Kilometer in knapp 8 Jahren gefahren.
Da kennt man die Eigenheiten eines Einzylinders. Und man weiss auch den Schwung auszunutzen.
Ich habe mir manches Mal überlegt, ob meine extremen Schräglagen vielleicht daher kommen.
Mit so einem Mopped muß man einfach Rollen lassen.
Aber egal, Nero stellte sich als Guide zur Verfügung. Wir sollten es nicht bereuen. Die Tour führte uns über Warth, Arlbergpass, Landeck, St. Moritz, Julierpass, Bernina, Livigno, Stilfser Joch, Reschanpass, Arlbergpass und über Warth zurück ins Hotel. Eine lange, aber fantastische Runde.
Über den Arlbergpass ging es in Richtung Samnaun. Kurz hinter dem Abzweig nach Samnaun fuhren wir in ein Tal mit nicht enden wollenden Kurven. Nero liess die TT richtig fliegen. Von hinten betrachtet ist das schon ein Anblick, wenn dieses sehr hohe Geschoß mit Nero drauf abwinkelt. Das ist mal ein langer Weg in die Schräglage...
Frank und ich liessen Nero und Kuhjote ziehen, da uns die Rennleitung der Schweizer ein wenig zu scharf ist.
Gemütlich gondelten wir hinter den beiden her. Als wir zwei wunderschöne Guzzis überholten, konnte ich nicht umhin mal den Daumen zu heben. Da kommt doch Nostalgie auf! War das früher mit der LeMans schön?! Die beiden hatten sich wohl vorher über Nero und Kuhjote dermaßen erschrocken, daß ihnen für uns nur der Stinkefinger übrigblieb. Also ehrlich, wo gibt es denn sowas?
Kurz danach standen wir an einer Baustellenampel und liessen und während der Rotphase permanent von denen wüst beschimpfen. Ach ja, muß auch bekloppte geben, wär doch sonst alles langweilig. Und das waren so schöne Moppeds....
Bei der Auffahrt zum Julierpass begegneten wir einer Gruppe Moppedfahrer, die partout weigerten sich überholen zu lassen. Die waren wirklich hartnäckig. Es waren ein paar Extrem-Japaner und eine Triumph.
Als wir aufliefen lieferten die sich gerade einen Sehenswerten Kampf mit einem ziemlich verrückten Alfa-Fahrer. Der Überholte an Stellen wo ich es mit dem Mopped nicht machen würde. Er fand auch Lücken zum einscheren, die eigentlich nicht wirklich vorhanden waren.
Die Jungs und Mädels der anderen Gruppe waren recht zügig unterwegs. Trotzdem gelang es Kuhjote und mir sie zu überholen. Nach einer kurzen Pause mußte wir wiederholt an ihnen vorbei. Auch diesesmal gaben sie irgendwann auf und wir kamen vorbei. Als wir gemeinsam auf dem Julierpass standen war der Umgang miteinander sehr freundlich. Sie gaben dann auch einstimmig zu, daß die Q auf diesen Straßen unschlagbar ist.
Ein kleiner Abstecher nach Livigno war das Ziel. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Dort genehmigten wir uns noch einige Espressi und ein Sandwich. Nero fuhr von hier den schnellsten Weg nach Hause, während wir über das Stilfser Joch und den Reschenpass fuhren.
Bei der Auffahrt zum Stilfser Joch machte sich dann doch die reine Fahrzeit bemerkbar und wir fuhren merklich gemütlicher. Es war aber auch weit und breit kein Anreiz zum Gasgeben zu sehen.
Trotzdem ist diese Straße immer wieder ein Erlebnis.
Bei der Abfahrt vom Reschenpass fing es mal wieder an zu regnen. Es blieb aber im Rahmen, so daß wir auf weiteren Regenschutz verzichteten.
An einer Tankstelle überlegten wir welchen Weg wir zuück nehmen. Man muß halt einmal über den Berg, da hilft nichts. Entweder über Warth und somit den Arlbergpass, oder mal wieder das Hahntennjoch. Wir entschlossen uns für ersteres.
Das sollte ein besonderes Erlebnis werden. So langsam war die Sonne hinter den Bergen verschwunden. Im Halbdunkeln war es eine angenehme Fahrt von Landeck nach Arlberg. Als wir aber auf die Passstraße abbogen, wunderten wir uns dann doch ein wenig. Die Nebelschwaden kamen um die Ecke wie Qualm. Dichter Qualm. Die Sichtweite betrug bei großzügiger Schätzung noch 20-30 Meter.
Na Klasse, unbekannte Straße, das erste Mal im Dunkeln und jetzt noch Nebel. Aber das gehört nunmal dazu. Die Eindrücke bei einer solchen Fahrt sind nicht zu übertreffen.
Ab Stubenbach war der Nebel zwar weg, aber die Strecke bis Warth, halb durch den Wald, auf nasser Piste war trotzdem eine Herrausforderung. Um 21:30 Uhr betraten wir das Hotel. Und holten uns ersteinmal einen Rüffel bei Elke ab. Sie hatte sich natürlich um uns gesorgt.
Und ich meinte an der Tanke noch zu Kuhjote, ob wir uns nicht mal melden sollten... hätten wir mal besser! Die Blicke von Elke den Rest des Abends muß man erst einmal wegstecken....
Abends ging es dann noch zum Bikerfest. Bei Regen und Kälte. Die Stimmung war ok, wenn es auch nicht unbedingt mein Publikum war.
Nach ein paar Bierchen sind wir zurück ins Hotel.
Der Samstagmorgen war wieder nass, aber wenigstens ohne Regen. Wir entschlossen uns für eine kleine Runde ins Namlostal. Streckenweise war es trocken, und so konnte die Q zum Abschluß der Woche nochmal zeigen was sie kann. Auf dem Rückweg von Bischlbach nach Stanzach hatten es mir die 5 Kurven nach dem Abbiegen mal wieder besonders angetan.
Die sind so herrlich langezogen, da muß man einfach, so wie ich es nenne, die Kurven ziehen….
Soll heissen: immer kräftig den inneren Schweinehund überwinden und unter permanentem Beschleunigen in voller Schräglage am Gas bleiben.
Viel Bremsen muß man nicht, einfach rollen lassen. Das einzige Problem sind die Fußrasten.
Wie bereits weiter oben erwähnt ist es nirgendwo so einfach die Q auf die Rasten zu setzen wie im Namlostal. Der Grip ist erstaunlich, die Kurven meist weit einsehbar.
Als ich gerade mal wieder diese besagten ersten fünf Kurven genoss, habe ich wohl ein paar andere BMW-Fahrer, welche auf dem Parkplatz pausierten, ein wenig erschreckt. Jedenfalls standen sie mit offenen Mündern neben ihren Moppeds und starrten mich an.
Das muß aber auch ein Anblick sein: ein funkensprühender Trümmer von 240 KG in voller Schräglage….
In Stanzach überlegten wir uns noch einen Abstecher aufs Hahntennjoch zu machen. Mal was anderes im Nassen. Bisher war es bis auf die eine Abfahrt trocken und daher artete es auch immer ein wenig aus. Hier und jetzt war das was anderes, eine völlig neue Herrausforderung.
Auf der Höhe angekommen untersuchte Kuhjote seinen Hinterreifen. Er erzählte mir von unerklärlichen Rutschern, beim Gasgeben drehte das Hinterrad durch. Mir war ähnliches zum Glück erspart geblieben, aber ein Paar Ölflecken hatte ich gesehen. Bei der Abfahrt haben wir sie dann nochmal gesichtet und Kuhjote war erleichtert wenigstens eine Erklärung für das Rutschen zu haben.
Als Abschluß der Woche ging es dann nochmals zum Bikertreff.
Sonntag morgen wurde die Q auf das Auto geschnallt und nach einer anstregenden, aber fantastischen Woche fuhr ich nach Hause. Schade dass es vorbei war. Aber ich denke ich komme wieder….
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